Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 216)
- Language
- German
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leider aus unserer Quelle nicht. Es scheint jedoch, daß das Konsistorium auch mit der nachträglichen Einvernahme Pitas nicht zufrieden war und sich durch die Einvernahme der übrigen eingesperrten und zum Tode verurteilten Sektierer genauere Nachricht zu verschaffen versuchte. In erster Linie waren es die in Königgrätz eingekerkerten Sektierer Lukas Volny und Johann Vacek.40 Mit ihrer Einvernahme wurden von dem Königgrätzer Konsistorium dessen Sekretär Kanonikus Johann Franz Michälek und dessen Beisitzer der Seminarrektor P. Anton Andrys S. J. betraut. Diese erstatteten dem Konsistorium über das Verhör am 9. Mai 1748 Bericht. Man hatte den genannten beiden Verurteilten vier Fragen gestellt: 1. ob Pita gelehrt habe, daß es zwar einen einigen Gott gebe, nicht aber eine hl. Dreifaltigkeit? 2. ob Pita gelehrt habe, daß Christus nicht Gottes Sohn, sondern ein bloßer Mensch gewesen? 3. ob Pita gelehrt habe, man solle auf jüdische Weise den Sabbat heiligen und kein Schweinefleisch essen? 4. ob Pita gelehrt habe, daß die Jungfrau Maria ein ehrloses Frauenzimmer und Christus ein uneheliches Kind gewesen? Die erste Frage beantworteten die beiden Inquisiten negativ („davon wissen wir nichts*'), die übrigen Fragen aber beantworteten sie positiv. Trotzdem nun aus der positiven Antwort Lukas Volnys und Johann Vaceks auf die zweite Frage hervorging, daß Johann Pita an eine hl. Dreifaltigkeit in christlichem, bzw. katholischem Sinne nicht glaubte, suchte sich das Konsistorium darüber durch die Einvernahme der in Königinhof eingesperrten Georg Psenicka und Georg Chaloupka und des in Jaromef eingesperrten Wenzel Janecek Gewißheit zu verschaffen.41 Ihre Einvernahme erfolgte sehr rasch, so daß das Konsistorium bereits am 13. Mai die Antwort erhielt, und zwar in dem erwarteten Sinne. Sowohl Georg Psenicka als auch Georg Chaloupka (Krcmafik) sagten aus, Johann Pita habe gelehrt, es gebe keine göttliche Dreieinigkeit, Jesus sei nicht Christus und Gottes Sohn gewesen, sondern ein bloßer Mensch, die Jungfrau Maria sei eine gewöhnliche Frau gewesen, man solle auf jüdische Art den Sabbat heiligen und kein Schweinefleisch essen. Georg Psenicka bemerkte hiezu, er sei in diesen Grundsätzen von Pita unterwiesen worden, und Georg Chaloupka bezeichnete wieder als seinen Instruktor den Johann Vacek; dabei erklärten die beiden Inquisiten, sie selbst hätten an die zitierten Artikel nicht geglaubt. In gleicher Weise sagte in der Sache auch der alte Wenzel Janecek aus, doch erklärte dieser im Gegensatze zu Georg Psenicka und Georg Chaloupka, er glaube an diese Grundsätze; als seine Lehrer bezeichnete er den Pita und den Rabbiner Mendl.. .42 Zweifellos reichten wenigstens einige der Verurteilten nach Kundmachung des Urteiles vom 12. Jänner 1748, bzw. des Nachtragsurteiles des Prager Appellationsgerichtes ein Gnadengesuch an die Landesfürstin 69 215