Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 206)
- Language
- German
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verführte .15 Die zitierte Aufschrift besagt auch, daß zur Zeit seiner Hinrichtung (18. Dezember 1748) Pita 45 Jahre zählte; in Wirklichkeit war er ein wenig älter. Johann Pita war der erstgeborene Sohn des gleichnamigen Vaters, der auf den Gründen der Stadt Bidschow bedienstet war, und der Maria, der Tochter des Matthias Klos, Nachbars in Chudonitz, und wurde am 31. Oktober 1701 getauft.16 Er war also äußerlich Katholik, konnte übrigens damals auch keiner anderen Konfession angehören; aber man kann kaum daran zweifeln, daß er schon vorher, bevor er zu seinen alttestamentlichen Religionsvorstellungen gelangt war, ein geheimer Akatholik war. Es ist sehr zu bedauern, daß sich uns die Akten des Königgrätzer Kreisamtes nicht erhalten haben. Denn dieses riß gleich anfangs die Untersuchung der Sekte der sog. Bidschower Israeliten an sich und diese Akten würden uns daher zweifellos viel eingehender informieren als die Relation des Dechants Escherich, die sicher auf einer abgeleiteten Information beruht. Es scheint, daß diese Akten für immer verloren sind, falls sie nicht etwa den heute allerdings ebenfalls verschollenen Akten des Prager Appellationsgerichtes beigeschlossen worden sind. Und so verbleiben für diese Zeit nur kleine Bruchstücke im Bidschower Stadtarchive , mit deren Inhalt wir uns nun vertraut machen müssen. Am 15. Jänner 1747 befahl der Königgrätzer Kreishauptmann d. d. Barchuwek dem Neubidschower Richter und Stadtrat, die Chlumetzer Untertanen Karl Volny, Lukas Volny, Georg Volny, Georg Vesely, Johann Vrbicky und Johann Baura, die in Bidschow inhaftiert waren, mit sicherem Geleit dem Chlumetzer Hauptmann zu überstellen. Im Dekrete des Kreisamtes wird allerdings nicht davon gesprochen, daß es sich um Gesinnungsgenossen unserer Sekte handle, doch ergibt sich dies ganz sicher aus den Sektiererlisten, die wir noch kennenlernen werden.17 Vierzehn Tage später, am 30. Jänner 1747, behehlt das Königgrätzer Kreisamt, wieder aus Barchuwek, dem Bidschower Stadtrate, den uns bereits bekannten Prasker Schäfer Johann Vacek, der damals in Smidar arrestiert war und einige bisher nicht verratene Sektierer genannt hatte, für den Fall einer erforderlichen Konfrontation mit ihnen sowie aus Gesundheitsrücksichten in das Gefängnis nach Bidschow zu überstellen ,18 Über Pita erfahren wir aus diesen Akten nichts; er wurde vermutlich gleich zu Beginn der Untersuchung von Bidschow nach Königgrätz überführt. Die erwähnten beiden Verfügungen des Königgrätzer Kreisamtes erfolgten sicher erst nach Abschluß der Voruntersuchung, die das Kreisamt gleich um die Weihnachtszeit 1746 in Eile durchführte und über deren Ergebnis es zweifellos unverzüglich nach Prag berichtete. Der Fall war außerordentlich bedeutsam und die Zahl der angezeigten Sektierer allzu 59 205