Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 205)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2644300-2644311--3582-2647930- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
selben wurden sofort verhaftet und überdies Wenzel Vanecek und Vacek aus dem Dorfe Zadrazan in Untersuchung gezogen, eine Person aus dem Dorfe Prask, eine oder zwei aus dem Dorfe Vysocan, der Sloupner Jäger vom Gute des Neubidschower Dechants — von anderswo erfahren wir auch dessen Namen: Matthias Svejda — und acht Personen aus dem Chlumetzer Vikariat .14 Aus der Relation des Bidschower Dechants ist ersichtlich, wie es zur Aufdeckung der Sekte kam und was für ein Ergebnis die erste Untersuchung brachte. Die Sekte wurde in der Tat auf dem Gebiete von Bidschow entdeckt, aber gleich von allem Anfang an zeigte es sich, daß sie sich keineswegs darauf beschränkte, sondern daß sie auch auf dem benachbarten Gebiete von Chlumetz Gesinnungsgenossen hatte. Zunächst wurde eine Seitenspur der Sekte gefaßt, doch führte die Untersuchung bald zur Hauptperson, dem Chudonitzer Schneider Johann Pita. Der Bidschower Dechant, ein fast siebzigjähriger Greis, legte im ersten Augenblick, als es zur Aufdeckung der Sekte kam, keine derart rasche Entschlußkraft an den Tag, wie man sie damals in ähnlichen Fällen gewohnt war. Er hatte dafür allerdings einen plausiblen Grund, die Weihnachtsfeiertage, doch steht fest, daß durch seinen Aufschub die erste Untersuchung den Händen der Kirche entzogen wurde und daß die Initiative hiezu sowie deren Leitung von der weltlichen Macht ausging, vom Königgrätzer Kreishauptmann, der unabhängig von den kirchlichen Behörden von der Sekte Kenntnis erhalten hatte. Es kann auch sein, Dechant Escherich hatte ursprünglich gar keine Ahnung davon, daß es sich um eine Sache von weittragender Bedeutung handle. Jedenfalls aber gewann so die weltliche Macht einen Vorwand zu scharfem Tadel gegen die kirchliche Macht; wir haben dies bereits in dem an den Königgrätzer Bischof adressierten Excitatorium Maria Theresias vom 12. Jänner 1748 gesehen. Aus der ersten Untersuchung lernen wir auch zwei ,,jüdische" Grundsätze der Sekte, bzw. ihres Hauptrepräsentanten Johann Pita kennen: die Abneigung gegen den Genuß von Schweinefleisch, die Sabbatheiligung sowie auch die Einstellung Pitas zur Beschneidung. Zum Schluß schob Pita die Urheberschaft seines „Irrtums" den Bidschower Juden zu, deren drei sofort verhaftet wurden — ihre Namen erfahren wir vorläufig nicht —; er verriet auch einige seiner Gesinnungsgenossen aus dem Bidschower und Chlumetzer Gebiete. So wurde der Chudonitzer Schneider Johann Pita zu einer „historischen" Persönlichkeit, da er — wie es in der tschechischen Legende auf seinem Bilde hieß, das jahrelag im Bidschower Rathause hing - in seinem Streben, über die Nadel hinaus Dinge zu verstehen, mit der (Heiligen) Schrift sich so verstrickte, daß er sich bei den Juden Rat erholte und selbst in den jüdischen Irrtum verfiel und einige andere dazu 204 58