Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 204)
- Language
- German
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deckung der Sekte und der Ergebnisse des ersten Stadiums der kirchlichen Untersuchung entstanden ist. Der Bericht beginnt mit der Feststellung, daß am Donnerstag vor den Weihnachtsfeiertagen (offenbar am 22. Dezember 1746) der Bidschower Dechant von dem Bidschower Ökonomieverwalter darauf aufmerksam gemacht wurde, daß ein gewisser Schäfer — von anderswo erfahren wir, daß er Johann Vacek hieß — aus dem der Stadt Bidschow untertänigen Dorfe Prask des jüdischen Irrtums verdächtig erscheine. Der Dechant vereinbarte mit dem Verwalter für den kommenden Tag, Freitag abends, wenn der jüdische Sabbat beginnt, eine Visitierung der Behausung des Schäfers, ob man den Schäfer nicht etwa entweder in flagranti bei der Verrichtung jüdischer Zeremonien überraschen würde oder ob man nicht wenigstens irgendwelche Spuren fände, welche zur Einleitung der Untersuchung berechtigen würden. Doch die von vier Ratsmännern durchgeführte Visitierung verlief resultatlos. Nach dieser amtlichen Visitierung nahm jedoch der Prasker Kantor allein eine Besichtigung in der Behausung des Schäfers vor und fand im Tische ein Buch, in welchem er einen lasterhaften Satz über Christus las; er zeigte es dem Bidschower Ökonomie Verwalter und dieser dem Bidschower Dechant an. Dechant Escherich schob jedoch die weitere Untersuchung der anbrechenden Feiertage halber auf. Inzwischen aber erfuhr davon, unbekannt wie, der Königgrätzer Kreishauptmann Baron Vancura von ftehnitz, der die sofortige Einleitung der Untersuchung anordnete.13 Diese von der weltlichen Macht durchgeführte vorläufige Untersuchung hatte laut Meldung des Dechants Escherich vor dem Königgrätzer Konsistorium am 9. Jänner 1747 folgendes Ergebnis gezeitigt: der erwähnte Schäfer leugnete zunächst, gestand aber schließlich ein, „von solchem jüdischen Irrtum angesteckt worden zu sein"; er schob die Schuld einem gewissen Johann Pita zu aus dem Dorfe Chudonitz, von dem er in dieser Sekte unterwiesen worden sei. Dieser Pita war vordem durch nichts anderes aufgefallen, als daß er kein Schweinefleisch genoß, doch gab er als Grund hiefür an, er vertrage es nicht. Als dann Pita ebenfalls zum Verhör vorgeladen wurde, soll er sich gleichfalls zu diesem „jüdischen Irrtum" bekannt haben, indem er behauptete, man solle kein Schweinefleisch essen und man solle nach dem göttlichen Gebote den Samstag heiligen. Auf die Frage, ob er sich auf jüdische Art beschneiden lassen würde, verwies er auf die Epistel des hl. Paulus an die Römer, wo dieser im vierten Kapitel den bekannten Standpunkt zur Beschneidung einnimmt: wir könnten Söhne Abrahams werden durch den bloßen Glauben—; daraus folgt, daß Pita die Beschneidung nicht für notwendig hielt. Endlich berief sich Pita auf die Neubidschower Juden, von denen er seinen „Irrtum" geschöpft haben wollte. Drei der- 57 203