Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 203)
- Language
- German
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Zeitangaben stehen — das Datum des Exkommunikationsurteils des Königgrätzer Konsistoriums (3. Dezember 1748) und das Datum von Pitas Verbrennung (18. Dezember 1748) —, gibt keine Zeitbestimmung, wann die Sekte verraten wurde, erweckt aber den Anschein, als sei es zur Aufdeckung (und Untersuchung) der Sektierer erst im Jahre 1748 gekommen. Dagegen führt Bilek an, die Sekte sei im Königgrätzer Kreise, insbesondere in der Umgebung von Bidschow, schon im Jahre 1747 „vorgekommen".5 Rezek kombiniert beide Daten in der Weise,6 die Zusammenkünfte der Sektierer seien irgendwann im Jahre 1747 oder anfangs 1748 verraten worden, was nach ihm dann F. J. Cecetka wiederholt,7 ebenso auch J. Kaspar.8 Dagegen erinnert J. Svätek,9 der zwar kein Datum für die Aufdeckung der Sekte anführt, die Untersuchung der Sektierer vor dem weltlichen und geistlichen Gericht habe das ganze Jahr 1746 und 1747 gedauert. Wenn, wie bemerkt, in Wien das Haupturteil über die Anhänger der Sekte am 12. Jänner 1748 gefällt wurde, so ergibt sich daraus, daß die Aufdeckung derselben nicht erst zu Beginn des Jahres 1748 oder in den letzten Monaten des Jahres 1747 erfolgt sein konnte. Wann dies in der Tat geschehen ist, gestatten uns die Sitzungsprotokolle des Königgrätzer Konsistoriums, soweit sie sich auf die Sekte der sog. Bidschower Israeliten beziehen, ganz genau zu bestimmen; eine Abschrift (bzw. ein Auszug) findet sich im Bidschower Dekanalarchive .10 Diese Protokolle werden durch die Aufzeichnung über die Sitzung des Konsistoriums vom 9. Jänner 1747 eröffnet, daß an diesem Tage der Bidschower Dechant Johann Josef Escherich im Konsistorium erschien und über die Aufdeckung der Sekte berichtete. Nach diesem Berichte wurde dann eine Relation für den Königgrätzer Bischof verfaßt und demselben vom Konsistorium gleich am folgenden Tage, am 10. Jänner 1747, eingehändigt. Aus dieser Relation ergibt sich, daß man auf die ersten Spuren der Sekte vor den Feiertagen, vermutlich vor den Weihnachtsfeiertagen gestoßen ist. Im Hinblick auf die Feiertage hat der Bidschower Dechant seine vorher eingeleitete Untersuchung unterbrochen.11 Daraus folgt daher als sicheres Datum, wann die Sekte aufgedeckt wurde, die Zeit unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen des Jahres 1746. Der Bericht des Bidschower Dechants Johann Josef Escherich,12 erstattet am 9. Jänner 1747 vor dem Königgrätzer Konsistorium und gleich am anderen Tage dem Königgrätzer Bischof vorgelegt, ist das zeitlich erste mir bekannte Dokument über die Sekte der sog. Bidschower Israeliten und zugleich über den mit ihnen eingeleiteten Prozeß. Sein Inhalt ist zweifellos sehr wertvoll und sein Wert wird sicherlich dadurch noch gesteigert, daß er unter dem unmittelbaren Eindruck der Auf- 202 56