Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 202)
- Language
- German
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Sekte sei vor mehr als fünf Jahren entstanden, d. h. im Jahre 1742. Die Nachricht in den Ephemeriden der Menschheit vom Jahre 1783 und der von ebendort übernommene Bericht im III. Bande von Rieggers Archiv, die Sekte sei „beiläufig" (ohngefähr) vor 40 Jahren entstanden, beruht sehr wahrscheinlich auf dem Untersuchungsergebnis des Prager Appellationsgerichtes, aus dem sich allerdings das Jahr 1742 ergibt als das Jahr, zu dem als der Entstehungszeit der Sekte die gerichtliche Untersuchung gelangt war, nicht 1743 (wie Adämek, Doba poroby, S. 83, die angeführte Zeitangabe in den Ephemeriden der Menschheit, bzw. die Angabe Rieggers interpretiert). Ebenso kann man mit Hilfe der Originalquellen zu einer genaueren Bestimmung der Zeit gelangen, wann die Sekte aufgedeckt wurde. Wie bereits bemerkt, machte Maria Theresia in ihrem Excitatorium vom 12. Jänner 1748 dem Königgrätzer Bischöfe zum Vorwurf, daß die Sekte schon „viele Jahre" bestanden habe, ohne daß die geistliche Administrative eine Ahnung davon gehabt; das Excitatorium spricht sogar zwischen den Zeilen den Verdacht aus, die geistliche Verwaltung habe wohl von der Sekte schon früher gewußt, aber nicht die erforderlichen energischen Schritte eingeleitet, denn es sei doch unglaublich, daß die geistlichen Leiter besonders jener Orte, wo es Anhänger der Sekte gab, von ihrer Existenz keine Kenntnis erlangt hätten, trotzdem man von derselben im ganzen Kreise gewußt hätte. Es besteht kein Zweifel darüber — und wir kommen darauf noch zurück —, daß dieser Vorwurf im Excitatorium der Landesfürstin an die katholische Kirchenverwaltung in Königgrätz völlig ungerechtfertigt war. Es kann keine Rede davon sein, als hätte sie den Anhängern der Sekte irgendwie Vorschub geleistet. Jedenfalls aber bestand die Sekte in der Tat schon einige Jahre, bevor sie — durch einen Zufall — aufgedeckt wurde. Es erübrigt noch den Hinweis, daß der Eindruck, als ob die Sekte landbekannt gewesen, den das Excitatorium aus dem Bericht des Prager Appellationsgeriehtes geschöpft hatte, aus den Aussagen der Parteigänger der Sekte hervorging, welche natürlich mehr oder weniger genau über die Sache unterrichtet waren, sicher aber entspricht die Vorstellung, als ob im Königgrätzer Kreis alle Welt von der Sekte gewußt hätte, keineswegs den Tatsachen. Mochte die Sekte auch verhältnismäßig zahlreiche Anhänger zählen, so hielt sie sich sicherlich ebenso wie sonst das Akatholikentum vor der Öffentlichkeit verborgen . Die Bemerkung des Excitatoriums, zwischen Entstehung und Aufdeckung der Sekte seien „viel" Jahre verstrichen, ist allerdings unbestimmt und die bisherige Literatur führt die Zeit ihrer Aufdeckung unterschiedlich an. P. Svoboda,4 der sich auf eine Eintragung im Gedenkbuch des Bidschower Dekanalamtes stützt, wo lediglich zwei genaue 55 201