Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 201)
- Language
- German
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tenmacherei unter den Christen gaben, wie dies im Jahre 1689 der Fall gewesen. Endlich macht Svätek geltend, daß die vermeintliche Agitation des Bidschower Rabbiners Mendl und des Chudonitzer Schneiders Johann Pita unter den geheimen Akatholiken zugunsten der jüdischen Sekte in der Umgebung von Bidschow, Chlumetz, Königgrätz und Königinhof schon während des Preußeneinfalles im Jahre 1744 stattfand. Es ist noch darauf hinzuweisen, daß bei den ersten beiden Daten Svätek ganz allgemein spricht, ohne seine Darlegung ausdrücklich auf die Sekte der sog. Bidschower Israeliten zu beziehen. Sväteks Zwiespalt im Datum für den Ursprung unserer Sekte ist nicht etwa im Widerspruche von Originalquellen begründet, sondern rührt daher, daß Svätek unbedenklich an die völlig verschiedene Erklärung über die Kardinalursache des Aufkommens der Sekte noch seine eigene Erklärung über den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Sekte und der Ausweisung der Juden aus Prag und Böhmen im Jahre 1745 anschließt; dabei deckt er sich freilich inhaltlich mit der Erklärung Svobodas, daß die Sekte auf jüdische Proselytenmacherei zurückgehe. Das Jahr 1743 und 1744 als Ausgangspunkt für die Entstehung der Sekte entspricht dann Sväteks Hinweis, daß im Jahre 1743 und 1744 die katholischen Missionäre in Böhmen mit erneutem Eifer dem Volke unkatholische Religionsbücher wegnahmen, wodurch sich angeblich der erste Verkehr der Religionsschwärmer mit den Juden anbahnte, weil sich diese Schwärmer mangels eigener Religionsbücher von den Juden das Alte Testament ausliehen, das den Juden nicht abgenommen wurde. Sväteks Angaben über die Entstehungszeit der Sekte der sog. Bidschower Israeliten zeigen deutlich, daß Svätek die Hauptprozeßakten nicht in Händen hatte und daß man daher seine Behauptung über „eigene Forschung" im Punkte der Sekte der sog. Bidschower Israeliten mit großer Vorsicht aufnehmen muß, bzw. daß man ihm vielmehr überhaupt nicht glauben darf. Im Excitatorium an den Königgrätzer Bischof, ebenso wie das Haupturteil über die Bidschower Sektierer d. d. 12. Jänner 1748, machte Maria Theresia dem Bischof heftige Vorwürfe: laut Bericht des Prager Appellationsgerichtes habe sich die Sekte in seiner Diözese schon vor mehr als fünf Jahren gezeigt und es sei unglaublich, daß die geistliche Verwaltungsbehörde so lange von ihr keine Ahnung gehabt hätte.8 Der erwähnte Bericht des Prager Appellationsgerichtes, der zweifellos eine Hauptquelle für die Kenntnis der Sekte wäre, ist mir leider nicht bekannt, doch was daraus das zitierte Excitatorium vom 12. Jänner 1748 über die Entstehungszeit der Sekte mitteilt, ist völlig klar. Das Appellationsgericht gelangte um die Mitte des Jahres 1747 auf Grund eines umfassenden Untersuchungsmaterials zum Schlüsse, die 200 54