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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 200

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 200)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644311--3577-2647925
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Bereits in der Einleitung zu dieser Studie wurde in der Literaturübersicht über die Sekte der sog. Bidschower Israeliten bemerkt, daß die bisherigen Versuche, die Entstehung und das Wesen dieser Sekte darzustellen und aufzuhellen, durch eine geringe, bzw. unzureichende Kenntnis der Originalquellen und -berichte charakterisiert sind. Diesen wesentlichen Mangel suchen sie durch mehr oder minder subjektivgefärbte Auslegungen und Vermutungen über die Grundlagen und den Ursprung der religiösen Anschauungen des Chudonitzer Schneiders Johann Pita und dessen Anhänger wettzumachen. Es läßt sich zwar nicht verhehlen, daß nicht einmal die unmittelbaren und der bisherigen Forschung unbekannten Quellen, die ich mir zu verschaffen in der Lage war, voll hinreichen, um den Prozeß mit den Anhängern der Sekte der sog. Bidschower Israeliten restlos darzustellen und das Wesen der Sekte über jeden Zweifel erhaben aufzuklären, mag der Grund nun in der Lückenhaftigkeit oder vielfach in der Tendenz der vermittelten Nachrichten liegen. Nichtsdestoweniger bieten sie eine tragfähigere Basis für einen neuen Versuch, diese interessante Erscheinung in unserer Religionsgeschichte aufzuklären. An erster Stelle wird es uns daher darum zu tun sein, den Inhalt der Akten über den Prozeß mit unserer Sekte kennenzulernen, zu dem es in den Jahren 1747—1748 kam, sowie den Inhalt der Nachrichten über ein späteres Auftreten von Anhängern dieser Sekte in theresianischer Zeit. Vor allen Dingen ist darauf zu achten, inwiefern sich aus den Prozeßakten ein Datum für den wirklichen oder mutmaßlichen Ursprung der Sekte feststellen läßt. In einer ausführlicheren Anmerkung zu seiner Darstellung über die sog. Bidschower Israeliten hat bereits Ant. Rezek darauf aufmerksam gemacht ,* daß die Nachrichten über die Ursprungszeit der Sekte, die seiner Analyse zur Grundlage dienten, voneinander abweichen, und daher verlegte er ihren Ursprung ohne genauere Festlegung in die Vierzigerjahre des XVIII. Jahrhunderts. Wie wir schon erfahren haben,2 hat sich nach Rezek J. Svätek mit Berufung auf „eigene Forschung" in dieser Hinsicht bestimmter ausgesprochen. Doch nur scheinbar, nicht aber in Wirklichkeit. Nach Svätek begannen im Jahre 1743 und 1744 viele Juden auf ungebildete böhmische Akatholiken einzuwirken, entweder ganz zum Judentum überzutreten oder wenigstens gewisse jüdische Zeremonien anzunehmen. Etwas weiter behauptet jedoch Svätek, indem er als Hauptgrund für die Entstehung der „israelitischen Sekte in Böhmen" die Ausweisung der Juden aus Prag und aus Böhmen durch Maria Theresia im Jahre 1745 annimmt, daß sich nach dieser Ausweisung eine Menge Juden auf die Dörfer zurückgezogen hätten und daß diese direkten persönlichen Berührungen der Juden mit dem Dorfvolk, die vom Frühling des Jahres 1745 datierten, jüdischen Eiferern den Anlaß zur Prosely- 53 199

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