Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 196)
- Language
- German
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und diese Bewegung stand offenbar in unterirdischer Verbindung nicht bloß mit den Glaubensgenossen der nächsten Umgebung, sondern auch auf anderen Herrschaften. Die Familie Volny stand schließlich in direkten verwandtschaftlichen Beziehungen mit Neu-Bidschow, wo die Schwester von Volnys Gattin Marie verheiratet war.8 Welche Strafe den Lukas Volny und dessen Familie für die Verwahrung von unkatholischen Büchern ereilt hat, erfahren wir aus den Schriften des Bidschower Dekanalarchives nicht. Sicher ist jedoch, daß weder diese Untersuchung noch auch eine eventuelle Strafe diese Familie dem Akatholikentum abspenstig gemacht, sondern sie vielmehr darin noch bestärkt hat. Gleichzeitig mit der Untersuchung gegen Lukas Volny und dessen Familie wurde wegen Ketzerei auch ein gewisser Wenzel Soucek bestraft, der in Bidschow gefangen gehalten wurde.9 Leider versiegen nach dem Falle Soucek in dieser Hinsicht die Quellen im städtischen und im Dekanalarchive zu Bidschow auf fünfzehn Jahre lang völlig, sicherlich jedoch nicht deshalb, daß in dieser Zeit, besonders in den letzten Regierungsjahren Karls VI., in Bidschow kein einziger Fall von „Ketzerei" vorgekommen wäre; den Quellenmangel muß man zweifellos dem Umstände beimessen, daß die Dokumente in späterer Zeit in Verlust geraten sind. Die ersten Regierungsjahre Maria Theresias, die durch den vorwiegend um die böhmischen Kronländer geführten Krieg ausgefüllt waren, machten auf eine Zeitlang der Verfolgung von Nichtkatholiken ein Ende; diese fühlten sich im Gegenteil durch den häufigeren und gefahrloseren Verkehr mit ihren Landsleuten gleichen Glaubens in den Ländern des Preußenkönigs gestärkt, denn dieser Herrscher galt als Protektor der böhmischen Akatholiken. Doch schon in der letzten Zeit des achtjährigen Krieges kam es neuerlich zu einer Verfolgung der Nichtkatholiken, und zwar sowohl aus religiösen Gründen wie aus politischen Rücksichten. Wir werden noch genauer erfahren, daß zur Wiederaufnahme der Religionsverfolgung in theresianischer Zeit, und nicht in allerletzter Hinsicht, auch die Aufdeckung der sog. Bidschower Israeliten beitrug, aber die Verfolgung beschränkte sich keineswegs auf sie. Das spiegelt sich auch im Bidschower Dekanalarchive, denn es finden sich dort vom Jahre 1747 an ziemlich zahlreiche Dokumente, die auf die geheimen Akatholiken im Bidschower Ländchen und Umgebung Bezug nehmen und die zum Teil mit der bereits erwähnten Vikarfunktion des Bidschower Dechants im Bidschower Kreise zusammenhängen. Gleich das älteste erhaltene Dokument im Bidschower Dekanalarchive über geheime Nichtkatholiken aus theresianischer Zeit — es stammt aus dem Jahre 1747, da die Sekte der Israeliten verraten wurde — 49 195