Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 195)
- Language
- German
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genügt es schließlich, eine eingehendere Aufmerksamkeit dem geheimen Akatholizismus im Bidschower Ländchen zu widmen, bzw. den in Bidschow inhaftierten und inquirierten geheimen Akatholiken von den Dreißiger- bis in die Siebziger jähre des XVIII. Jahrhunderts. Die angedeutete Übersicht kann man vielleicht am besten mit Andreas Stantzl eröffnen, der mit Urteil des Prager Appellationsgerichtes vom 10. Mai 1729 wegen Gotteslästerung auf ein Jahr zu öffentlicher Zwangsarbeit in Band und Eisen verurteilt wurde, und mit Georg Refiounek, der ursprünglich mit Urteil des Prager Appellationsgerichtes vom 12. April 1731 wegen Lästerreden gegen den jüngst heiliggesprochenen Johann von Nepomuk zur Todesstrafe durch das Schwert verurteilt wurde und dem die Strafe dann im Gnadenwege gemildert wurde zu vier Jahren strenger Fronarbeit mit dem Zusatz, daß der Delinquent während seiner Haft von der Geistlichkeit im alleinseligmachenden katholischen Glauben unterrichtet und so von einem weitern ähnlichen Irrtum abgelenkt und in der Heiligen Verehrung bestärkt werde.6 Doch gleich die weitere Untersuchung mit Lukas Volni) und dessen Familie, zu der es im Jahre 1732 kam, führt uns unmittelbar zur Vorgeschichte der sog. Bidschower Israeliten, denn die Mitglieder dieser Familie werden uns später, im Jahre 1747, als Anhänger dieser Sekte entgegentreten. Lukas Yolnf war allerdings kein angesessener Bidschower, sondern Untertan der Nachbarherrschaft Chlumetz, wo er in der herrschaftlichen Schäferei zu Cihar wohnte. Daß sich die Abschriften der Untersuchungsakten mit Volny, dessen Gattin Katharina und dessen Sohne Karl im Bidschower Dekanalarchive finden, dürfte darin seinen Grund haben, daß der Bidschower Dechant Escherich zugleich Vikar des Bidschower Kreises war.7 Eine nicht ferne Zukunft zeigte jedoch, daß auch ein innerer Zusammenhang vorliegt. Mochte auch Lukas Voln^, der im Jahre 1732 schon ein Achtziger war, von sich behaupten, Katholik zu sein, so ist nur allzu offenkundig, daß es sich um einen geheimen Akatholiken, ja vielleicht um eine Art „Verbindungsmann" in der Verbreitung akatholischer Bücher handelte. Denn in der Chudef itzer Schäferei fand man im Heu einen halben Sack voll „lutherianischer" liüclier und eines trug gar seine Unterschrift; übrigens hatte kurz zuvor der bekannte Missionär P. Franz Materovsky in Zizelic ein „böses", „ketzerisches" Buch entdeckt, auf welchem Volny ebenfalls unterschrieben war, und der Lovcicer Pfarrer fand fast gleichzeitig bei Volny dem Leben Adams zwei „sehr schädliche Bücher" beigebunden, „von demselben Nikolaus Konäc und das andere ein erzketzerisches von Stibor von Cimburg und Tobitschau". Lukas Volny mit Familie war nach Ausweis der Verhörsprotokolle zweifellos eine der führenden Persönlichkeiten des geheimen Akatholikentums auf dem Gebiete von Chlumetz, 194 48