Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 194)
- Language
- German
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überhaupt die gesamte Einwohnerzahl infolge des geringen Umfanges der Herrschaft und infolge der wirtschaftlichen Auswirkung des langen Krieges in nachweißenbergischer Zeit ziemlich gering war. Zur Stärkung dieser geheimen Akatholiken im Bidschower Ländchen trugen vielleicht auch die Emigranten bei, die namentlich in den Siebzigerjahren des XVII. Jahrhunderts unter dem Dechant Franz Pintary von Gidersberg von Zittau nach Bidschow und seinen untertänigen Dörfern zurückkehrten ,3 desgleichen sicherlich auch zahlreiche geheime Akatholiken auf den Nachbarherrschaften, insbesondere auf der Herrschaft Chlumetz, mit der das Bidschower Gebiet äußerst regen Verkehr unterhielt. Geheime Akatholiken blieben dann im Bidschower Ländchen selbst noch in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts, trotz der erneuten Missionstätigkeit zur Regierungszeit Karls VI. und trotz des Umstandes, daß die Seele dieser Missionen der bekannte P. Konias S. J. bildete,4 der sogar eine Zeitlang dem Bidschower Dechant in der Seelsorge aushalf. Dieses Amt bekleidete damals Johann Josef Escherich, dessen Namen uns noch begegnen wird.5 Über die geheimen Akatholiken im Bidschower Ländchen berichten zunächst die schriftlichen Denkmäler im städtischen und im Dekanalarchive zu Bidschow, die jedoch offenkundig unvollständig sind. Zweifellos wird die künftige Forschung auch nach dem zitierten Buche Neumanns noch manche unbekannte Nachricht selbst im Königgrätzer Konsistorialarchive aufdecken und vielleicht wird auch in dem Schriftennachlaß des Prager Appellationsgerichtes mehr denn eine wertvolle Ergänzung zu Tage kommen. Die bisher bekannten Nachrichten gestatten leider nicht, ein vollständiges Bild zu zeichnen, sondern es kann sich höchstens nur um Andeutungen handeln, die man heute noch nicht zu einem zusammenhängenden Ganzen verbinden kann. Die erwähnten Quellen erlauben mitunter nicht einmal ein genaues Urteil darüber, ob es sich um geheimen Akatholizismus oder bloß um unbedachte Äußerungen handelt. Die Nachrichten des Stadt- und Dekanalarchives zu Bidschow beschränken sich dann auch nicht bloß auf die Nichtkatholiken im Gebiete von Bidschow, sondern betreffen auch Nichtkatholiken aus anderen Nachbarherrschaften, bzw. nichtkatholische Emissäre aus entfernteren Herrschaften, die auf dem Gebiete von Bidschow betroffen und festgenommen oder in das Bidschower Stadtgefängnis eingeliefert worden waren. Einige dieser Nachrichten sind von großer Wichtigkeit unmittelbar für die Sekte der sog. Bidschower Israeliten, welche sich, wie wir noch genauer erfahren werden, nicht bloß auf das Gebiet von Bidschow beschränkte, sondern auch auf den Nachbarherrschaften verbreitet war, besonders auf der Herrschaft Chlumetz. Für den Zweck unseres ersten Versuches, der aus seinen Lücken kein Hehl macht, 47 193