Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 175)
- Language
- German
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Kreuzer für Ware lösen könne, die Wochen- und Jahrmärkte brächten sie in ärgsten Verfall, schleppten alles Schlechte in die Stadt ein, und die armen Kontribuenten könnten ebendarum ihre Handwerke und Gewerbe nicht betreiben, um davon zu leben, geschweige denn sich selbst samt Weib und Kind ernähren, Sr. Majestät die königlichen Kontributionen entrichten und sonstige städtische Onera tragen und befriedigen; deshalb seien viele solche Handwerker und Mitbürger gezwungen, zur Erntezeit um Taglohn zu arbeiten, anderen Mitbürgern in den Scheunen Getreide zu dreschen und mit dieser Taglöhnerarbeit sich selbst zu ernähren. Die Beschwerde klang in die Bitte aus, die Visitationskommission möge Abhilfe schaffen und geruhe sie arme Nachbarn, die durch die vielen Juden in ihrem Gewerbe großen Abbruch litten, gnädig in ihr Gedächtnis und ihren Schutz zu nehmen .39 Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Beschwerde der Neubidschower Gemeinde gegen die Juden in vielem aus durchsichtigen Gründen übertreibt, doch zeigt sie deutlich, daß auch in Bidschow wie anderswo die Juden in nachweißenbergischer Zeit den Handel und die handwerkliche Produktion zu einem Großteil an sich gerissen hatten und so ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor geworden waren, der Handel und Gewerbe der Christen ziemlich in Schatten stellte. Allerdings wurde die Schuld an der geringen Beschäftigung der Bidschower Handwerker in der Beschwerde — zum Teil wenigstens sicherlich mit Unrecht — den Juden in die Schuhe geschoben, denn die Stadt verfügte über kein ausgedehntes Absatzgebiet für seine Gewerbeprodukte und es ist ganz natürlich, daß bei dem Halbagrarcharakter der Stadt die Handwerker auch in der Landwirtschaft eine Nahrungsquelle suchten. Und schließlich muß noch beachtet werden, daß die Beschwerde gegen die Juden durchwegs nur mit wirtschaftlichen Argumenten operiert, nicht auch mit ideellen und religiösen Momenten, wie dies übrigens zu einem Großteil auch in anderen böhmischen Städten der Fall war. Die Visitationskommission sah sich durch die vorgeschriebene Instruktion und ihre judenfeindliche Gesinnung veranlaßt, auf die Beschwerde der Neubidschower Gemeinde hin die Verhältnisse im Bidschower Ghetto genauer zu untersuchen. Das Ergebnis gab sie in der Zuschrift vom 24. Mai 1718 dem Bidschower Magistrate bekannt. Darin machte sie ihm im Hinblick darauf, daß sich die Juden in Bidschow der angeordneten Beschränkung zum Trotz von Jahr zu Jahr zum großen Schaden der Stadt vermehren, so daß sich ihrer nunmehr in Bidschow sicher über 600 Seelen befinden, den Vorwurf, daß der Magistrat nichts dagegen getan, daß man die jüdischen Fleischer zum Schaden der christlichen Fleischhauer begünstige und den Juden Kramläden verpachte, zum größten Ärgernis in den allerbesten Ringhäusern und zur großen 174 28