Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 169)
- Language
- German
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ritenkloster als auch das an seiner Stelle in der Folge entstandene Bidschower Ghetto stieß in der Richtung gegen das Dorf Sloupno an den Stadtwall, der eine Bekrönung trug, an dieser entlegeneren Stelle nach allen Anzeichen nicht von Stein, sondern nur aus Holz, und hier, durch die sogenannte Sloupner Pforte, ging über die Wiesen ein Seitenweg nach Sloupno; auf dem Anger hinter der Sloupner Pforte, also schon außerhalb des ursprünglichen Weichbildes, war dann unmittelbar vor dem böhmischen Aufstande noch eine zweite Stadtkirche zur hl. Dreifaltigkeit erbaut und ringsum ein Friedhof angelegt worden. Es findet sich keine Spur davon, daß in vorweißenbergischer Zeit die Juden zur Stadtbefestigung an diesen Stellen beigetragen hätten, so daß man dafürhalten kann, daß die Reparaturen auch hier auf Stadtkosten ausgeführt wurden. In der wirtschaftlichen Notlage nach dem Dreißigjährigen Kriege zwang jedoch die Stadt im Jahre 1659 ihre Juden unter der Drohung, das Ghetto werde seine Bauplätze an den Stadtwällen verlieren , die im Krieg vernichtete hölzerne Umfriedung aus eigenem wieder herzustellen (die Juden bezahlten 6 Gulden rheinisch und lieferten tausend Schindelnägel); dafür wurde ihnen stadtbücherlich verbürgt, sie würden sich an der fraglichen Stelle ihre Häuser erneuern dürfen .28 Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Juden zur Rettung ihres Besitzstandes einen noch größeren Betrag aufgewendet hätten. Die Erwähnung eines unverbauten jüdischen Bauplatzes an der Stadtmauer zeugt sicherlich dafür, daß auch der Wiederaufbau des Bidschower Ghettos nach dem Dreißigjährigen Kriege nicht rasch vonstatten ging. Zweifellos aber begann die Judenschaft gleich nach dem Jahre 1650 im Bidschower Ghetto wieder zuzunehmen und sicherlich kam es schon damals zur Erneuerung einiger Judenhäuser, wozu auch die Befürchtung drängte, es könnten die wüsten Baustellen unter dem Vorwande, sie seien nicht besetzt, den Juden entzogen werden oder es könnten von den Juden wenigstens auf dieses Konto, wie dies im Jahre 1659 geschah, besondere Beiträge und Abgaben eingetrieben werden. Und auch wirtschaftlich begann sich das Ghetto sicherlich wieder zu heben. Beweis dafür ist vielleicht auch der Umstand, daß es im Jahre 1660 die Juden mit Genehmigung des Stadtrichters und des Rates wagen konnten, ihre Synagoge zu erneuern; sie war allerdings schon äußerst baufällig. Die Namen von Enoch Schick, Isaak Kral und Salomon Marek, Mesner, den damaligen Ältesten der Bidschower Judengemeinde, die man in dem Stadtbucheintrag über die Bewilligung zum Neubau der Synagoge liest und die in der Konskription der Bidschower Juden vom Jahre 1650 nicht vorkommen, deuten ebenfalls darauf hin, daß sich das Bidschower Ghetto nach dem Dreißigjährigen Kriege bald wieder zu entfalten begann.29 168 22