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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 168

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 168)
Language
German
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brachte, setzte jedoch ebenso wie anderswo auch dem weiteren Verfall des Bidschower Ghettos ein Ziel und die nachweißenbergische Zeit brachte ihm allen Reduktions- und Exstirpationsbestrebungen jener Zeit zum Trotz24 im Gegenteil einen nicht unbedeutenden Aufschwung. Den Epilog des Kriegszustandes und gleichzeitig den Eintritt in eine neue Epoche bildete die Konskription der Bidschower Juden vom 6. Mai 1650, verfaßt vom Bidschower Magistrat auf Befehl des General-Proviantmeisters und zugleich Unterkämmerers der Leibgedingstädte der Königin- Witwe Eleonora im Königreich Böhmen, des kaiserlichen Rates Heinrich Kustosch von Zubri, Lipka und auf Neu-Straschitz, im Zuge der Konskription der böhmischen Judenschaft, welche von der Prager Statthalterei auf Grund des kaiserlichen Reskriptes vom 2. April 1650 angeordnet worden war.25 Die Aktion bezweckte eine Reduktion der Juden auf den Stand vor der böhmischen Rebellion. Das Bidschower Ghetto freilich konnte von den Reduktionstendenzen dieses kaiserlichen Reskriptes und von dem auf Grund des erwähnten Reskriptes zustande gekommenen Landtagsschluß des Königreichs Böhmen vom Jahre 1650 nicht berührt werden, da in Bidschow die Juden schon lange vor dem Jahre 1618 angesessen waren. Der erhaltene ausführliche Konskriptionsakt der Bidschower Juden ,26 datiert vom 12. Mai 1650, zeigt, daß sich die Juden von den Kriegsschäden nur sehr langsam erholten, namentlich daß die Wiederherstellung der wTährend des Krieges zerstörten Häuser nur langsam vonstatten ging. Gegen den Stand von 1638 war die Zahl der bewohnten Häuser im Bidschower Ghetto fast auf die Hälfte gesunken, denn „während der kriegerischen Einfälle waren andere Häuser ruiniert worden"; neben sechs bewohnten Häusern wird im Ghetto noch die Synagoge (Schule) mit einem von dem Mesner bewohnten Häuschen erwähnt und das Spital, wo die jüdischen Kinder unterrichtet wurden und das dem Rektor nebst Familie zur Wohnung und außerdem als Armenhaus diente. Insgesamt zählte man 73 Juden, erwachsene und Kinder, so daß auf ein Haus mehr als 9 Einwohner kamen; sogenannte „Wirte" (Angesessene) gab es darunter 16.27 Die Liquidierung der Folgen des Dreißigjährigen Krieges dauerte in Neu-Bidschow ebenso wie anderswo lange Jahre. Der Stadt hatte der Krieg eine ungeheure Schuldenlast und eine verheerte Wirtschaft, den Bürgern halbzerstörte und geplünderte Häuser hinterlassen, und ebenso auch den Juden. Die Wiederherstellung des Vorkriegszustandes war bei der allgemeinen Verarmung sehr schwierig, ja fast unmöglich. Erst zu Beginn des zweiten Jahrzehntes nach Friedensschluß ging man daran, die öffentlichen Schäden zu heilen; auch die Stadtbefestigung war zu reparieren und das ging auch die Juden an. Sowohl das ehemalige Mino- 21 167

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