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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 166

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 166)
Language
German
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wohl zu Anfang des XVII. Jahrhunderts schon an freiem Baugrund für neue Judenhäuser zu mangeln begann, so daß man die Gärten heranzog, die zweifellos wenigstens bei einigen ursprünglich jüdischen Häusern vorhanden waren .18 Trotzdem sich das Ghetto auf dem Raum des ehemaligen Minoritenklosters konzentrierte, standen die Judenhäuser an einigen Stellen in enger Nachbarschaft mit den Christenhäusern, und zwar nach allen Anzeichen ohne irgendwelche Absonderung.19 Einige fragmentarische Nachrichten schließlich weisen darauf hin, daß sich der Handel der Bidschower Juden, ihre Hauptbeschäftigung und die Quelle einträglichen Gewinns, damals nicht auf die Stadt allein beschränkte, sondern sich auch über die nähere und weitere Umgebung der Stadt erstreckte .20 Dabei hatten allerdings die Bidschower Juden keine geringen öffentlichen Verbindlichkeiten zu erfüllen. Aus den zitierten Nachrichten haben wir bereits erkannt, daß die Bidschower Juden seit dem Jahre 1569 für die Verleihung des Rechtes, das Gäßchen bei der Synagoge einzufrieden, 8 (vermutlich Meißner) Groschen jährlich zahlten und für das Benützungsrecht ihres Friedhofes jährlich 1 Schock 20 Groschen meißnisch. Das waren freilich unbedeutende Beträge. Daneben hatten die Juden jedoch zur Stadt von ihren Häusern das Schoßgeld und das Schutzgeld zu entrichten, unbekannt in welcher Höhe; dazu kamen sicherlich noch andere städtische Taxen und Gefälle, namentlich vom Fleisch, wiewohl wir für diese Zeit nicht wissen, ob sich die Juden das Fleisch selbst beschaffen konnten oder ob sie sich dazu der Vermittlung der christlichen Fleischhauer bedienen mußten. Anfangs des XVII. Jahrhunderts, im Jahre 1605, erfahren wir schließlich aus dem Berichte der Kommissäre zur Entgegennahme der Landesrechnungen auch die Höhe der Berna, welche die Bidschower Juden damals zahlten: 25 Dukaten pro Jahr betrug die Kopfsteuer (von 11 „älteren" Juden je 2 Dukaten und von 3 „jüngeren" je 1 Dukaten) und 24 Schock meißnisch die Haussteuer (von 6 Häusern je 4 Schock), also ein sicherlich ansehnlicher Betrag;21 es ist jedoch kaum zu bezweifeln, daß die wirkliche Zahl der jüdischen Häuser und der angesessenen Juden („Wirte") höher lag, wiewohl die Bekenntnisbögen von der Stadt ausgefertigt wurden. Einen indirekten Beweis hiefür bildet auch der Umstand, daß sich die Juden in dieser Zeit für ihre Armen ein Armenhaus, ein Spital einrichten, was eine recht bedeutende Bevölkerung des Ghettos zur Voraussetzung hat. Endlich erforderte auch die Verwaltung der Judengemeinde, an deren Spitze die Judenältesten standen, namentlich die Erhaltung der Synagoge, einen gewissen und keineswegs nur unbedeutenden Aufwand. Obwohl die Nachrichten über die Neubidschower Juden aus der Zeit vor der Schlacht auf dem Weißen Berge sehr spärlich fließen, lassen 19 165

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