Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 163)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2644300-2644311--3540-2647888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Platz führte in der Folge nach Schleifung des Klosters den Flurnamen „na klästefisti" (= Klosterflur). Hier blieb das Ghetto —wie anderswo auch hier lange Zeit „Judengasse" genannt — jahrhundertelang bis zu seiner Aufhebung, die in verhältnismäßig junger Zeit erfolgt ist.4 Es steht fest, daß diese Judensiedlung in Neu-Bidschow nicht als vorübergehend, sondern als ständig angesehen wurde. Dafür und gleichzeitig bereits für ein gewisses Anwachsen des Urghettos zeugt der Umstand, daß im Jahre 1520 die Bidschower Gemeinde den Juden gegen einen Jahreszins von zehn Groschen meißnisch ein Stück Gemeindegrund in der Richtung gegen das Dorf Chudonitz zu einem Friedhof verpachtete5 und daß sie zehn Jahre später den Juden unter gewissen Bedingungen und gegen eine jährliche Zahlung von 32 Groschen meißnisch bewilligte, ihren Friedhof zu umfrieden .6 Dieser Friedhof, von dem sich Reste bis auf die Gegenwart erhalten haben, lag hinter der Stadtmauer inmitten der Vorstadtgärten am entgegengesetzten Ende der Stadt, als das Ghetto lag. Die Errichtung und Umfriedung des jüdischen Friedhofes erfolgte bereits unter der neuen Obrigkeit, denn im Jahre 1516 hatte Gallus von Wartenberg aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten Herrschaft und Stadt Bidschow dem bekannten Wilhelm von Pernstein und auf Pardubitz verkauft.7 Die neue Obrigkeit nahm eine weniger judenfreundliche Haltung ein als ihre Vorgängerin. Den Anstoß hiezu mochte die Bidschower Bürgerschaft gegeben haben, da sie wohl die ungünstige Auswirkung der jüdischen Handelstätigkeit am eigenen Leibe zu spüren bekam, denn auch die Bidschower Juden widmeten sich, wie man aus den spärlich vorhandenen Nachrichten sowie aus der öffentlichen Stellung der böhmischen Judenschaft in jener Zeit schließen muß, hauptsächlich dem Handel.8 Auf die Ungunst der Stadtverwaltung gegen die Juden stoßen wir gleich im Jahre 1531. Eine große Feuersbrunst hatte damals mehrere Häuser vernichtet, darunter auch das Haus des Juden Rouchal und namentlich das städtische Brauhaus in der Nachbarschaft des Ghettos. In seltsamem Zusammenhange mit den Maßnahmen, welche die Stadtverwaltung gleich danach gegen die Feuersgefahr ergriff, beschloß die Gemeinde auch das Verbot, auf dem Ringplatze weder Juden noch Brüdern Häuser zu verkaufen unter Strafe von einem halben Schock Groschen meißnisch. Die Häuser am geräumigen „Ring" lagen natürlich für den Handel am günstigsten, denn hier spielten sich vor allem die Jahrmärkte ab und die Juden äußerten vermutlich die Absicht, sich auch hier dauernd niederzulassen (vielleicht hatten sie hier schon damals wenigstens Läden in Pacht, wie dies auch später der Fall war), ungeachtet dessen, daß ihre „Gasse46 gleich um die Ringplatzecke ihren Anfang nahm. Diesen Beschluß der utraquistischen Stadtgemeinde, mochte er auch die Juden und die Böhmischen Brüder in einem Atem nennen, kann 162 16