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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 159

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 159)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644311--3536-2647884
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nicht bequemen wollte, verfiel das gemeine Volk der Religionsschwärmerei, bildete sich selbst seine dogmatischen Systeme, seine eigene Religion und hielt daran mit einer bewundernswerten Zähigkeit fest, ungeachtet der schweren Folgen, wenn die Sache den Staatsbehörden verraten wurde. Auf solche Weise entstand auch der sogenannte Israelitismus oder das Abrahamitentum um Bidschow, zur Zeit, als in der Stadt der Dechant Escherich wirkte. Nähere, bestimmte Nachrichten über die Entstellung und die Entwicklung dieser religiösen Sekte haben wir nicht; mit Sicherheit wissen wir nur so viel, daß im Bidschower Ländchen zu Beginn der Vierzigerjahre des achtzehnten Jahrhunderts die Juden mit den Christen zu gemeinsamen religiösen Zusammenkünften sich zu versammeln begannen. Von welcher Seite der Antrieb ausging, läßt sich nicht genau bestimmen, doch kann man annehmen, daß er von den Christen ausging, nämlich von den geheimen Nichtkatholiken, die es damals noch in dieser Gegend gab, denen man im Auftrage der Regierung das Neue Testament wegnahm und verbrannte, während den Juden gestattet war, sich des Alten Testamentes zu bedienen. So begannen denn die geheimen Nichtkatholiken unter die Juden zu gehen und lasen darin, was erlaubt war. Bei diesen Zusammenkünften begann sich eine eigene alttestamentliche Dogmatik mit einigen neutestamentlichen Anhängseln zu entwickeln. Zunächst einmal ließen die Christen, welche diese Zusammenkünfte besuchten, ihre Kinder nicht taufen und ließen an sich selbst, wie sehr wahrscheinlich scheint, die Beschneidung vornehmen. Dann wurde nach dem alttestamentlichen Ausspruch ,Es gibt keinen Gott außer Gott* die Gottheit Jesu Christi und überhaupt der Glaube an die Dreieinigkeit abgelehnt und nach der Prophezeiung Mosis an eine Wiederkunft des Messias geglaubt und die Heiligung des Samstags eingeführt. Vom Neuen Testamente blieb wie bei den Sekten allgemein der Glaube an die Geheime Offenbarung und dann das Gebet des Vaterunsers."29 Wie ersichtlich, wurde zwar der Sekte der Bidschower Israeliten in der Literatur eine recht bedeutende Aufmerksamkeit geschenkt, die sicherlich der Beachtlichkeit dieser religiösen Erscheinung entspricht, doch muß hinzugefügt werden, daß die gewonnene Erkenntnis wTeder lückenlos noch unstreitig ist. Der Hauptgrund liegt sicherlich darin, daß den bisherigen Forschern wenig Quellen zur Verfügung standen, was freilich Vermutungen, Kombinationen und Phantasien Tür und Tor offen ließ. Selbst die neue grundlegende und umfassende Quellenpublikation, „Listäf k dejinäm näbozenskych blouznivcü ceskych v stoleti XVIII. a XIX/', herausgegeben durch den Fleiß von Ant. Rezek und J. V. Simdk?0 druckt zur Geschichte der sog. Bidschower Israeliten kein einziges Dokument ab, sondern verweist nur auf die Arbeiten von J. Svoboda, F. J. Cecetka und Ant. Rezek.31 158 12

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