Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 157)
- Language
- German
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gewann und sie in ihren Grundsätzen unterwies. Diese Agitation spielte sich bereits während des Preußeneinfalles im Jahre 1744 ab, als die Landes- und Staatsbehörden das Unwesen nicht schon im Keime ersticken konnten; noch reger wurde sie erst 1745 betrieben, als die aus Prag ausgewiesenen Juden auf dem flachen Lande auf das ausgiebigste mitwirkten. Da wuchs die Sekte, überhaupt schon „böhmische Judensekte" genannt, auf tausende Köpfe an und konnte sich demnach nicht der Aufmerksamkeit der geistlichen Behörden entziehen, denn viele Neugeborene wurden nicht zur Taufe gebracht und es liefen Nachrichten ein, daß sich viele Leute des Genusses von Schweinefleisch enthalten, den Samstag heiligen und andere jüdische Einrichtungen und Gebräuche beobachten."25 Anschließend schildert Svätek, in offenbarer Anlehnung an das Einschreibebuch der Bidschower Dechantei, wie die Sekte aufgedeckt wurde, und den Prozeß mit ihren Anhängern .26 Eine eingehende Analyse der Svätekschen spannenden Erzählung zeigt freilich, daß keine der Behauptungen Sväteks auf archivalischer Grundlage beruht, namentlich nicht der behauptete Zusammenhang zwischen dem Ursprung der Sekte und der Ausweisung der Juden vom Jahre 1745, sondern daß es sich hier um eine phantastische Kombination Sväteks handelt, die vermutlich ihre Hauptanregung in der Nachricht bei Adämek und Paroubek gefunden hatte (vgl. auch die Wendung Adämeks: „der berüchtigte jüdische Agitator Mendl" und bei Svätek: „ein solcher Hauptagitator war der Rabbiner in Neu-Bidschow namens Mendel"). Übrigens wird der aufmerksame Leser bemerkt haben, daß sich Svätek selbst widerspricht: er behauptet, den Hauptanlaß zur Entstehung der Sekte habe Maria Theresia durch die Ausweisung der Juden im Jahre 1745 gegeben, aber vorher sowohl als nachher behauptet er wieder, bereits 1743 und 1744 hätten viele Juden angefangen, auf die ungebildeten böhmischen Akatholiken einzuwirken und die Tätigkeit Mendls und Pitas falle schon in die Zeit des Preußeneinfalls im Jahre 1744. Ebenso besteht auf den ersten Blick ein offenkundiger Widerspruch zwischen der Behauptung Sväteks, die Sekte, auf tausende Köpfe angewachsen, habe der Aufmerksamkeit der kirchlichen Behörden nicht entgehen können, als man viele Neugeborene nicht zur Taufe brachte und Nachrichten einlangten, daß viele Leute sich des Schweinefleischgenusses enthalten, den Samstag heiligen und auch andere jüdische Einrichtungen und Gebräuche beobachten, und daß der Rabbiner Mendl nicht bloß in der näheren, sondern auch in der weiteren Umgebung von Bidschow bis gegen Königgrätz und Königinhof agitierte — und daß die kirchlichen Behörden, konkret der Bidschower Dechant Escherich, von der Existenz der Sekte erst von dem Bidschower Wirtschaftsbeamten Kunde erhielt; setzen wir noch das Datum ein, das jedoch Svätek nicht 156 10