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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 156

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 156)
Language
German
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zu beobachten begannen; sie genossen nämlich kein Schweinefleisch, feierten statt des Sonntags den Samstag als Sabbat, weil auch Gott am siebenten Tage nach Erschaffung der Welt geruht hatte, ja sie ließen ihre Kinder nicht mehr taufen und schlössen sich den jüdischen Gebräuchen immer enger an."23 Doch nach Svätek „gab den Hauptanlaß zur Entstehung der israelitischen Sekte in Böhmen Maria Theresia selbst, als sie im Jahre 1745 alle Juden aus Prag und aus dem Lande Böhmen auswies. Wir haben bereits geschildert, wie inkonsequent man bei Durchführung dieses Befehles vorging, wie man anfänglich den Juden den Aufenthalt auf dem Lande gestattete, wie man sie später wieder nach Prag und in die Städte zurückkehren ließ und wie sie von da in kurzer Zeit wieder abziehen mußten. So geschah es, daß eine Menge Stadtjuden ihre Zuflucht in den Dörfern suchten, wo ihnen das Dorfvolk Obdach und gegen gute Bezahlung allen Lebensunterhalt gewährte. Dieser direkte persönliche Verkehr der Juden mit dem einfachen Landvolk, der seit dem Frühjahr 1745 angeknüpft war, gab den jüdischen Eiferern wiederum Anlaß zur Proselytenmacherei wie im Jahre 1689, daß sie sich bemühten, Christen zum jüdischen Glauben zu verlocken. Da, wie gesagt, unter den naiven akatholischen Schwärmern das Alte Testament nunmehr eifrig gelesen wurde, waren sie unschwer für den alttestamentarischen Ausspruch einzunehmen, es gebe keinen Gott außer Jehowah, womit die Gottheit Jesu Christi bestritten war und überhaupt der Glaube an die allerheiligste Dreifaltigkeit, so daß die so verwirrten Leute vollends jede Bindung mit dem Christentum aufgaben. Nur die Zeremonie der Beschneidung schied sie noch vom Judentum, aber sie fanden in den alttestamentlichen Büchern das Gebot hierzu und schickten sich an, demselben nicht bloß bei ihren neugeborenen Kindern, sondern auch bei sich selbst nachzukommen. Es war schon geradezu ein religiöser Wahn, verursacht durch die rücksichtslose Gegenreformation, deren unselige Folgen jetzt auch die jüdischen Fanatiker für sich auszunützen verstanden."24 Dementsprechend schildert dann Svatek, ein solcher Hauptagitator sei der Rabbiner in Neu-Bidschow namens Mendl (Mendel) gewesen, der in seiner Einflußnahme auf die geheimen Akatholiken in der Umgebung von Bidschow, Chlumetz, Königgrätz und Königinhof so eifrig zu Werke ging, daß er Hunderte von Anhängern für die „böhmische Judensekte" gewonnen habe. Diese veranstalteten dann geheime Zusammenkünfte, bei denen sowohl an ungetauften Kindern als auch an Unerwachsenen die Beschneidung vorgenommen und andere jüdische Zeremonien ausgeübt wurden. Mendls regster Mitarbeiter war Johann Pita, ein Schneider aus dem Dorfe Chudonitz, Untertan der Stadt Neu-Bidschow, der unter dem einfachen Landvolk am meisten Anhänger für die neue Judensekte 9 155

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