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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 155

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 155)
Language
German
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IRI
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Erst zehn Jahre später wurde für unsere Sekte von Jos. Svätek in seiner Geschichte der Regierung Maria Theresias21 eine neue Quelle herangezogen, vermutlich ein Einschreibebuch der Bidschower Dechantei, über dessen Charakter noch später gehandelt werden wird und das im Vergleich zu dem Bidschower Gedenkbuche über die Sekte der Israeliten etliche neue Angaben und Nachrichten bringt, namentlich die genaue Kunde, wann und wie die neue Sekte entdeckt wurde. Wiewohl aber Svätek bei der Schilderung des Ursprungs der Sekte und des Prozesses mit ihren Anhängern den Eindruck erwecken will, als beruhe seine Darstellung durchwegs auf neuen Forschungen des Autors,22 so ist sie doch zum Großteil eine unverschämte Ausgeburt der Phantasie des Autors, die sich in Sväteks historischen Werken überhaupt ungemein breitmacht. Trotz einiger neuer richtiger Angaben ist also Sväteks Gesschichte der Bidschower Israeliten-Sekte im Vergleich zu Rezek ein Rückschritt in der Erkenntnis dieser interessanten Erscheinung auf dem Gebiete der böhmischen Religions- und Geistesgeschichte. Svätek verquickte vor allem die beiden entgegengesetzten Erklärungen über die Entstehungsursachen der Sekte, die wir bereits kennengelernt haben, die Erklärung von Helfert und jene von P. Svoboda: „Die akatholischen Schwärmer in Böhmen, länger denn ein Jahrhundert ihrer Bibel und anderer religiöser Bücher beraubt, was unter Maria Theresia in den Jahren 1743 und 1744 von den Missionären mit neuem Eifer betrieben wurde, nahmen dabei wahr, daß man den Juden unbedenklich das Alte Testament belasse, das als Gottes Wort von ihnen doch auch für eine heilige Schrift angesehen werden mußte wie das Neue Testament. Daraus entwickelte sich die erste Fühlungnahme der Religionsschwärmer mit den Juden: da sie ihre eigene Heilige Schrift nicht hatten, liehen sie sich von den Juden das Alte Testament aus, grübelten darin und lasen auf ihren geheimen Versammlungen daraus vor. Daß es unter den Juden seit jeher genug Eiferer gibt, die für ihr Bekenntnis unter den Christen gern Proselyten machen, haben wir schon im Jahre 1689 wahrgenommen, als den Prager Juden nach dem Brande ihrer Stadt gestattet war, mitten unter den christlichen Familien zu wohnen; sie suchten sie dann zum Übertritt zum israelitischen Glauben zu überreden, so daß dagegen auch der damalige Prager Erzbischof und das Amt der königlichen Statthalter nachdrücklich einschreiten mußten. Ebenso suchten auch im Jahre 1743 und 1744 viele Juden auf ungebildete böhmische Akatholiken durch Überredung einzuwirken, um sie — wenn nicht gar zum Übertritt zum Judentum, so doch wenigstens zur Annahme einiger Zeremonien des jüdischen Glaubens zu veranlassen. Solche Reden blieben bei Leuten beschränkten Geistes, die damals den größten Teil aller Religionsschwärmer in Böhmen bildeten, nicht ohne Wirkung, so daß diese Närrchen binnen kurzem wirklich viele jüdische Gebräuche 154 8

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