Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 154)
- Language
- German
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allein durch jüdischen Einfluß erklären zu wollen, wie dies J. Svoboda getan hat, scheint mir nicht hinreichend. Denn gerade damals ging es den Juden sehr schlecht. Maria Theresia war ihnen aus Überzeugung abgeneigt; und als dann das vaterlandsverräterische Verhalten der Juden, namentlich der Prager, im Kriege mit Friedrich II. allzu augenfällig wurde, faßte Maria Theresia einen raschen Entschluß und wies sie aus Böhmen überhaupt aus. Die Juden hatten dann Mühe, die Rückgängigmachung des Gesetzes zu erwirken. Das Auftreten des Rabbiners Mendl im Bidschower Kreise und die Gründung der Sekte der „Israeliten** kam den Juden damals entschieden sehr ungelegen, weil ihre Lage dadurch nur verschlechtert wurde. Und anderseits hätte ja weder Mendl noch irgendein anderer Jude beim Volke in religiöser Hinsicht irgendwelchen Erfolg erzielt, wenn nicht andersgeartete Umstände dazu beigetragen hätten .*7 Rezek schloß sich im Gegenteil der Helfertschen Erklärung an: Für diese und andere ähnliche Erscheinungen scheint mir die Erklärung näherliegend, daß man ihre Ursache vor allem ... in der Verfolgung aus religiösen Gründen suchen solle und was damals damit zusammenhing. Ein großer Fehler war auch das systematische Entziehen und Vernichten des Neuen Testamentes, wenn es kein anderes gab, das entsprechend katholisch bearbeitet gewesen wäre. Die Lust und das Verlangen unseres Volkes nach Lesestoff ist allgemein bekannt; und namentlich unter den Lutheranern und Brüdern war das sogenannte „Literatentum" entwickelt. Nahm man ihnen das Neue Testament, griff man zum Alten, das selbst den Juden erlaubt war und das sie bei diesen leicht haben konnten. Das bahnte den ersten Verkehr der geheimen Akatholiken mit den Juden an ,18 Dabei gilt jedoch auch für Rezek der Neubidschower Rabbiner Mendl als der moralische Urheber der Sekte und Johann Pita als ihr Führer und in Übereinstimmung mit Svoboda bemerkt er, die Mitgliederschaft habe sich aus armen Leuten, Chalupnern, Schäfern und Witwen aus der Umgebung von Bidschow und Jitschin zusammengesetzt.19 Gleichzeitig mit Rezek druckte Ant. Knapp in seinen „Pameti kral. venneho mesta Jaromere nad Labern"20 aus der Jaromefer Sterbematrik eine keineswegs belanglose Nachricht ab, im Jahre 1748 sei in das Jaromefer Gefängnis gekommen „Wenzel Janecek, ein 80jähriger Greis aus dem Dorfe Zadrazan, Untertan der Stadtgemeinde Bidschow. Dieser Mensch gehörte zur Zahl jener Religionsschwärmer, die damals besonders in der Umgebung von Bidschow auftraten, vom katholischen Glauben abgefallen und zum Judentum übergetreten waren. Wegen dieses Abfalls vom Glauben hier arrestiert, tat er Buße; er erlangte auch die kirchliche Lossprechung, als er aber am 8. Juli dieses Jahres starb, wurde sein Leichnam trotzdem, angeblich zum abschreckenden Beispiel für andere, am 12. d. M. auf dem Schindanger verbrannt." 7 153