Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 151)
- Language
- German
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die Bücher, die heiligen Schriften des Neuen Testamentes weggenommen, während sie sahen, daß das Alte Testament den Juden anstandslos belassen wurde. Warum hätten sie sich also nicht auch an das Alte Testament halten sollen? Denn auch jenes sei Gottes Wort. Und so hätten sie es unternommen, mit den Juden in Fühlung zu treten, heimlich mit ihnen zu verkehren, sie in ihre Versammlungen zu locken, um von ihnen das Alte Testament zu lernen. Ja, sie hätten den einen oder andern jüdischen Brauch angenommen, dem Genuß des Schweinefleisches entsagt, den Samstag als Sabbat geheiligt, weil ja selbst Gott der Herr am siebenten Tage nach der Erschaffung der Welt geruht habe. Es sei nicht unmöglich, daß sich unter ihnen vereinzelt auch Leute jüdischer Herkunft befunden, die sich um weltlicher Vorteile willen oder zur Vermeidung unterschiedlicher Zurücksetzungen äußerlich dem Christentume angeschlossen, in ihrem Herzen aber und in ihrer Häuslichkeit ihre ererbten Anschauungen nicht aufgeben wollten. Nur ein einziger Umstand hätte den neuen Bekennern am alten Glauben nicht gefallen wollen: die Beschneidung. Und sie hätten in den alttestamentlichen Büchern nachzuforschen begonnen, ob man die Beschneidung stets beobachtet hätte, und sie hätten gefunden , Abraham sei ein Gott gefälliger Mann auch vordem gewesen, bevor diese Zeremonie gesetzlich eingeführt worden sei, und sie hätten sich also gesagt: Warum sollten nicht auch wir uns ganz gleich verhalten?10 Die Helfertsche Erklärung, der Hauptgrund für die Entstehung der Sekte der Israeliten sei die Verfolgung der geheimen Akatholiken im Zuge der Gegenreformationsbestrebungen gewesen und namentlich die Konfiszierung und Vernichtung religiöser Bücher (darunter auch der Bibel), die mit der katholischen Orthodoxie nicht vereinbar gewesen seien, stieß jedoch auf den entschiedenen Widerstand des Jesuiten P. Josef Svoboda, der in einem Artikel über die sogenannten Religionsschwärmer in Böhmen unter Josef II. (Casopis katolickeho duchovenstva 1878) auf Helferts Studie zurückkam.11 Zum Unterschiede von Helfert hatte sich P. Svoboda über die Bidschower Sekte der Israeliten ausführlichere Nachrichten verschafft, einerseits aus dem schon von Riha benützten Neubidschower Gedenkbuche — Svoboda zitiert jedoch Rihas Schrift nicht und kannte sie wohl kaum —, andererseits aus „der großen Handschrift vielleicht des verstorbenen Priesters Svenda in Königgrätz", wo sich eine Nachricht über Pita findet, die sich offenkundig mit jener deckt, die im Gedenkbuche der Bidschower Dechantei und im Liber memorabilium III des Bidschower Archives eingetragen ist. Svobodas Artikel bedeutet also im Hinblick auf quellenmäßige Erkenntnis unserer Sekte keinen Fortschritt, mag er auch im Vergleiche zu Helfert eingehender informiert sein. Neu ist freilich, wie Svoboda den Ursprung der Bidschower Israeliten erklärt, indem er einen völlig anderen Weg einschlägt 150 4