Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 149)
- Language
- German
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des Toleranzpatentes meldete sie sich mit einer großen Anzahl von Anhängern an. Und als dann Kaiser Josef entschied, die Sektierer, die sich damals teils als „Israeliten", teils als „Abrahamiten" bezeichneten, seien ähnlich wie die sogenannten Deisten, die namentlich auf der Pardubitzer Herrschaft zahlreich aufgetaucht waren, zu assentieren und samt ihren Weibern in die ungarischen Garnisonen abzuschieben, da erregte diese Verfügung Josefs II. in weiteren Kreisen Aufmerksamkeit und forderte auch die öffentliche Kritik heraus, die durch die weitgehende Lockerung der Pressebestimmungen in jener Zeit ermöglicht worden war. Und so erscheint bereits im Jahre 1783 eine Broschüre (von Winnkopp) in Druck, betitelt: „Geschichte der Abrahamiten, Israeliten und Deisten in Böhmen, nebst ihrem abgelegten Glaubensbekenntnis. Ein Beitrag zur Toleranzgeschichte"; gleichzeitig erschien im zweiten Bande der Zeitschrift „Ephemeriden der Menschheit oder Bibliothek der Sittenlehre, der Politik und der Gesetzgebung" (Verlag Weygand in Leipzig, Juli bis Dezember 1783, S. 449—463) eine analoge Nachricht unter dem Titel „Kurze Geschichte des im vorigen Jahre im Chrudimer Kreise ausgebrochenen Deismus"; es war dies eine Ergänzung zu dem in denselben Ephemeriden S. 69—84 veröffentlichten Artikel „Von den sogenannten Abrahamiten, Adamiten oder Deisten in Böhmen" und Jos. Ant. Riegger übernahm sie in den III. Band (S. 420—427) seiner bekannten Edition unterschiedlicher Materialien und Nachrichten „Archiv der Geschichte und Statistik insbesondere von Böhmen", das 1795 in Dresden bei Walther erschien. Dabei handelte es sich freilich um bloße Reminiszenzen ohne ausführliche und unmittelbare Gewähr. Die „Ephemeriden der Menschheit" und nach ihnen Riegger bringen über unsere Sekte nur zwei Sätze: „Man weiß auch, daß schon beiläufig vor 40 Jahren die Juden mit den Christen an verschiedenen Orten des Biczower Kreises versteckte Versammlungen gehalten, in denen sie das Gesetz Mosis gepredigt und mehrere Menschen hiezu selbst durch die Beschneidung einverleibt haben. Vielleicht hat man unter dem Vorwande des Mosaischen Gesetzes schon damals einige Grundsätze der Deisten unter das Volk ausgestreut."1 Eine Analyse der archivalischen Quellen, die wir im dritten Kapitel dieser Studie bringen, zeigt, inwiefern selbst dieser magere Bericht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Der Nachricht ist dann eine typisch aufklärerische Erläuterung angeschlossen, wie das israelitische und deistische Sektentum entstanden sei; der Grundton ist: Intoleranz der Priester und der Gesetze.2 Bei dieser Reminiszenz blieb es dann, soviel mir bekannt, bis in die Sechzigerjahre des XIX. Jahrhunderts.3 Die erste ausführlichere Nachricht über die Sekte der sog. Bidschower Israeliten, die aus Archivmaterial schöpfte, findet sich in dem chronikalischen Abriß einer Stadtgeschichte von Neu-Bidschow, der den Neubidschower Hauptschullehrer Cölestin 148