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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 128

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 128)
Language
German
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IRI
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die sich die Niederringung der jüdischen Handwerker und der Prager Juden zum Ziele gesetzt hatten, behaupten im Jahre 1680, daß die jüdischen Handwerksmeister ihre eigenen Meister, die sie mit 355 beziffern, um das fünf- und sechsfache übertreffen und geben die außerhalb der Prager Judenstadt handeltreibenden Juden mit 2000 an. Diese Angaben der Zünfte sind natürlich aus durchsichtigen Gründen stark übertrieben . Die Prager Judenstadt umfaßte damals gegen 10.000 Personen65, was bei der großen Population der Prager Juden einer Familienzahl von etwa 2500 entspricht. Würde nun die Behauptung der 12 christlichen Zünfte richtig sein, hätten sich alle Prager Judenfamilien ausschließlich vom Handel und Gewerbe ernähren müssen. Nach unserer Schätzung dürften damals im Prager Ghetto höchstens 350 bis 400 Handwerksmeister gewesen sein. Über eine Gruppe der jüdischen Handwerker sind wir durch die Angabe des Altstädter Hauptmannes genau informiert. Danach gab es im Jahre 1678 gegen 30 jüdische Schustermeister und über 30 jüdische Schuhhändler, ohne Gesellen und Lehrjungen. Im Verzeichnis der während der Pestseuche im Jahre 1680 verstorbenen Prager Juden, daß sich im Archive der Prager israelitischen Beerdigungsbrüderschaft befindet, sind viele Namen verzeichnet, die in der damaligen Zeit noch als Berufsnamen anzusehen sind. Ein Teil dieser Namen ist auch in den „Familien Prags" von Hock-Kaufmann, ebenso in dem Berufsverzeichnis von Moriz Popper zu finden, welche diese Namen aus den Grabinschriften des alten Prager Judenfriedhofes entnommen haben, die zumeist aus der zweiten Half tedes XVII. Jahrhunderts stammen. Von diesen in unserer Abhandlung sonst nicht genannten Berufen seien hervorgehoben: „Collier-Stepper", Deckimacher, Fidler, Harfner, „Heckimacher", Holzhacker, Kellner, Klappzimmerer, auch „Klesmer" (Musiker) genannt, Klempfner, Kohlenbrenner, Maler, Nagelschmied, Perlhefter, Perlzupfer, Pulvermacher, Schnürdreher, Silberbrenner, ,,Stahlmacher" auch „Stellmacher", Steinschneider, ,,Streichholz", Visiermacher, Wagenmacher und Zimmermann. Neben Schuster kommt auch der Name §vec vor. Das Vorkommen des Namens „Bäck" läßt darauf schließen, daß der Bäckerberuf in jener Zeit doch von den Prager Juden ausgeübt wurde. Das Verhältnis der jüdischen Handwerker zur Gesamtbevölkerung der Prager Juden hat sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte entschieden zugunsten der Handwerker geändert, da das jüdische Handwerk noch in aufsteigender Entwicklung begriffen war. Der dauernde Druck der christlichen Zunftältesten und der Behörden, namentlich des im Jahre 1705 eingesetzten Kommerzkollegiums,66 zur Eindämmung der jüdischen Hand Werkstätigkeit, konnte diesen Aufstieg wesentlich nicht verhindern . 71 127

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