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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 127

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 127)
Language
German
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IRI
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1. das Verzeichnis der Prager Juden aus dem Jahre 1545. 2. Die Angaben der christlichen Zünfte über die Ausbreitung des jüdischen Handwerkes im Jahre 1680. 3. Die Prager Judenkonskription vom Jahre 1729. 4. Das Verzeichnis der zurückgekehrten jüdischen Familien in den Jahren 1748 bis 1749. Die erste Prager jüdische Volkszählung stammt aus dem Jahre 1545. Als Kaiser Ferdinand I. im Begriffe war, alle Juden aus Prag auszuweisen, bestimmte er, daß nur die mit einem „Geleitsbrief" versehenen Juden das Aufenthaltsrecht in Prag haben sollten. Diese Geleitsbriefe wurden auf den Namen des Familienhauptes mit Angabe der Familienmitglieder für eine beschränkte Zeit ausgestellt, wofür nicht unbedeutende Beträge zu entrichten waren. Es wurde nun ein gesondertes Verzeichnis62 der im Besitze eines Geleitbriefes sich befindenden und der ohne eines solchen sich in Prag aufhaltenden Juden angelegt, wobei bei einer kleinen Anzahl der Konskribierten auch der Beruf angegeben wurde. Wenn dieses Verzeichnis auch in jeder Hinsicht als unvollkommen bezeichnet werden muß, ist es für uns doch wertvoll zu wissen, welche Handwerke oder Beschäftigungen zu jener Zeit bei den Prager Juden verbreitet waren. An der Spitze stehen acht Glaser (sklenäf63), denen nur die Metzger (feznik) mit derselben Anzahl gleichkommen. Es gab fünf Würfelmacher (kostkaf), drei Spielleute (hudec), von denen einer als Lautenbläser (lutnista) bezeichnet wird, und fünf Ärzte. Diese verhältnismäßig große Anzahl läßt darauf schließen, daß sie ihre Tätigkeit nicht allein auf die Juden beschränkten, vielmehr auch auf die christliche Bevölkerung ausdehnten. Überdies werden noch folgende Berufe angeführt: Bader (lazebnik), Bartscherer (brady strihä), Buchbinder, Buchdrucker, Drechsler (soustruznik), Futteralmacher (pouzdrovnik), Gänsehändler (husäf), Graber (hrobnik), Huthändler, Kantor, Krämer, Kuttenmacher, Lehrer, Mäusefallenmacher, Pferdehändler (konif), Prediger (kazatel), Probierer (probyr), Schleifer (slejfir), Schuldiener (skolnik), Schwertfeger (mecir64) und Weinbrenner (vlnopal, pali vino). Wie mangelhaft die Berufsangabe ist, kann schon daraus geschlossen werden, daß kein einziger als Schneider oder als Geldverleiher, im Ghetto stark vertretene Berufe, angegeben ist. Am Ende des XVI. Jahrhunderts dürfte die Zahl der jüdischen Handwerker ganz beträchtlich gewesen sein, da bereits, wie wir früher erwähnten, eine große Anzahl jüdischer Lehrlinge vorhanden war, als Beweis kann auch der Versuch der jüdischen Schneider, in die christliche Zunft aufgenommen zu werden, dienen. Ein mächtiger Aufstieg des jüdischen Handwerkes erfolgte im Laufe des Dreißigjährigen Krieges, was durch die jüdischen Handwerksprivilegien bewirkt wurde. Im letzten Drittel des XVII. Jahrhunderts befindet sich das jüdische Handwerk bereits in vollster Entfaltung. Die zwölf christlichen Zünfte, 126 70

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