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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 118

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 118)
Language
German
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IRI
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bleiben. Die Juden sollten entweder aus dem Lande oder wieder nach Prag kommen. Gelbgießer: Sie haben von den Juden keinen Schaden gehabt, sondern sind durch sie mit Messing besser versehen worden. Hutmacher: Früherhaben die Meister ihre Produkte nach dem Lande verkauft, das jetzt von den Juden versorgt werde. Ihre Arbeit bleibt ihnen im Laden liegen und sie müssen zugrunde gehen. Die Juden sollen entweder ganz aus dem Lande geschafft, oder in die Prager Städte wieder aufgenommen werden. Seifensieder: Durch die Abschaffung der Juden ist ihre Zunft ganz ruiniert und ins Verderben gestürzt worden, weil sie die meiste Nahrung von den Juden hatten, besonders die ihre Häuser bei der Judenstadt gehabt haben. Neun Meister haben schon ihre Profession niederlegen müssen und wenn dies länger andauere, werden ihnen die anderen ins Verderben nachfolgen. Früher hatten die Altstädter Meister bis zu 20 Gesellen gehabt, jetzt haben sie nur 6, die sie nach den Feiertagen entlassen müssen. Sie klagen ihre äußerste Not und im Falle die Juden nicht bald wiederkämen, müssen sie alle verderben und können keine Steuer leisten. Stöckelschneider: Jetzt bereiten ihnen die Juden keinen Schaden, nur einmal wurde ihnen ein Korb mit Ware abgenommen. Tuchmacher: Durch die Juden leiden sie folgenden Schaden. Sie kaufen bei ihnen Tücher, die sie dann in der Stadt teuer verkaufen, sodaß die Käufer teuer kaufen und sie selbst den Juden einige Groschen nachlassen müssen. Die Juden kaufen auch in den Wirtshäusern die vom Lande hereinkommenden Tücher und gehen damit in der Stadt hausieren. Flaschner: Gegenwärtig leiden sie durch die Juden keinen Schaden, sonst aber haben sie ihnen mit der Störerei und Pfuscherei in der neuen Arbeit großen Eintrag getan. Diese Urteile der Altstädter Zünfte, ebenso die Erklärung der Neustädter Zünfte,51 „daß sie wider die Juden sich zu beschweren keine Ursach hätte", sowie die Aussagen der Kleinseitner Handels- und Gewerbsleute, die ebenfalls hauptsächlich zugunsten der Juden ausgefallen ist, bewirkten u. a., daß Maria Theresia im Jahre 1748 wieder die Juden nach Prag zurückkehren ließ. Aus den angeführten Erklärungen ist zu ersehen, daß der größte Teil der christlichen Zünfte durch die Vertreibung der Juden einen Schaden erlitt, sei es durch Entgang des jüdischen Konsums, sei es durch die eingetretene Teuerung, durch Ausbleiben der Landkundschaft oder durch Mangel an Vorrat. Mit Ausnahme der Kaufleute hat keine Zunft an der Prager Judenemigration profitiert, sondern alle sind unwillkürlich schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Jetzt erst nach ihrem Abgang hatte sich gezeigt, mit welcher Menschenliebe die Juden ihren 61 117

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