Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 112)
- Language
- German
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seine anderwärtigen Rechte und Gerechtigkeiten einigen Nachteil oder Praejuditz zugezogen haben wollen". Dieses Begleitschreiben mit den Judenartikeln wurde an die Prager Judengemeinde gesandt, womit wohl gesagt sein sollte, daß die Prager Judenschaft in ihren althergebrachten, verbrieften Rechten niemals verkürzt werden sollten. Wieweit die Kaiserin ihr Versprechen den Prager Juden gegenüber eingehalten hat, soll der nächste Abschnitt zeigen. V. DIE ZÜNFTE WÄHREND DER AUSTREIBUNG DER JUDEN AUS PRAG. Im Verlaufe unserer Darstellung konnten wir die Bestrebungen und Schritte der christlichen Zünfte verfolgen, die sie zur Verdrängung des Handels und des Gewerbes, besonders auch zur Austreibung der Prager Juden gemeinsam unternommen haben. Durch die verheerenden Folgen der Austreibung der Wiener Juden belehrt, gab Leopold I. ihren Bitten und Versprechungen nicht nach, er trat vielmehr als Beschützer der Juden auf. Sein Sohn Karl VI., der den Juden viel feindlicher gesinnt war, schenkte den Anklagen der Zünfte mehr Gehör und war bemüht, das jüdische Gewerbe möglichst einzuschränken. Über die Stellungnahme seiner Tochter Kaiserin Maria Theresia, die ihre Judenfeindschaft gerne öffentlich demonstrierte, zu den dauernden Beschwerden der christlichen Zünfte über die Schädigung ihrer Gewerbsinteressen durch die Juden, kann kein Zweifel bestehen. Wir müssen der Ansicht des Staatsarchivars Sektionsrat Dr. Josef Bergl45 beipflichten, daß ihre jahrzehnte alten Klagen bei der Kaiserin auf fruchtbaren Boden gefallen sind und die Zünfte einen wesentlichen Anteil an dem Ausweisungsdekret vom 18. Dezember 1744 hatten. Demzufolge wurden alle Juden ausnahmslos im Jahre 1745 aus Prag vertrieben. Leid, Not, Elend und Tod hatte diese grausame Austreibung für die Judenschaft zur Folge Das unermüdliche Bestreben der bürgerlichen Zunftmeister ging nun in unverhoffter Weise in Erfüllung. Haben sich jedoch ihre daran geknüpften Hoffnungen auf Verbesserung ihres Gewerbes erfüllt? Erwiesen sich die Prager Juden wirklich als die Schädlinge ihres Handwerkes, die ihren Untergang und ihr Verderben herbeiführten, wie es die Zunftmeister in ihren Eingaben ununterbrochen zum Ausdrucke brachten? Zur Beantwortung dieser Fragen lassen wir die Zunftmeister selbst zu Worte kommen. 55 111