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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 99

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 99)
Language
German
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IRI
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laubnis erbeten hätten, bei ihrer Lade zusammenzukommen, um gegen die Pfrötter und die im Handwerk schädlichen Juden beim Kaiser einzukommen. Er hätte ihnen aber geraten, sich vorher beim Altstädter Magistrate zu beschweren. Er sei seit 26 Jahren im Dienste der Altstädter Gemeinde, als Richter sei er jedoch von der böhm. Kammer abhängig, die ohnehin mit Bewilligung des Kaisers die Judenschaft reduzieren wolle, ja selbst die Prager Judenältesten machten sich erbötig, die pfrötterischen Handwerksjuden, die keine Kontribution zahlten, von Prag abzuschaffen. Der langjährige Kampf der christlichen Zünfte hat somit mit einem Mißerfolg sein vorläufiges Ende gefunden. IV. DIE ZÜNFTE IM XVIII. JAHRHUNDERT. a) Die Bäcker** Das Bäckergewerbe wurde von den Juden in Prag in sehr beschränktem Umfange ausgeübt. Der Grund hiervon ist nicht bei den Juden zu suchen, die stets eine besondere Vorliebe für diesen Beruf bekundeten, sondern bei den Christen, die die Juden von diesem Gewerbe mit der stets wiederkehrenden Verleumdung fernzuhalten versuchten, sie könnten durch das Backwerk die Christenheit vergiften. Mag dieses Argument noch so widersinnig gewesen sein, der Erfolg war für die christlichen Zünfte nicht zu unterschätzen. Sie hatten sich dadurch die Konkurrenz der Juden vom Halse geschafft und überdies an der jüdischen Kundschaft hübsche Summen verdient. Aus religionsgesetzlichen Gründen war es für die Juden nicht einfach, jedes Gebäck von den Christen zu beziehen, es dürfte daher ein Teil der Judenschaft für den eigenen Gebrauch selbst gesorgt haben. Im übrigen muß hervorgehoben werden, daß ein eigentliches Verbot für Backwarenerzeugung der Juden niemals bestanden hat und auch kaum ganz durchgeführt worden ist. Während der Regierungszeit Kaiser Karl VI. wurde eine ganze Reihe von judenfeindlichen Gesetzen ins Leben gerufen. Die christlichen Zünfte nützten die günstige Zeit rasch aus, um ihren alten Kampf gegen die jüdische Konkurrenz wieder aufzunehmen. Zuerst richtete sich ihr Kampfgeist gegen vier jüdische Bäcker, die für den ausschließlichen Konsum der Juden Brot gebacken haben. Ihr Vorrat an Brot wurde ihnen entrissen und ihre Werkstätte zerstört. Meyer Günzburg, Eisik Lieben, Herschel Isak Lieben und Dwore Salomon Mannes Weib, die vier Prager jüdischen Bäcker, beschwerten sich im August 1721 gegen den Überfall der christ- 98 42

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