Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 98)
- Language
- German
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Wenn wir christliche Meister von Inslet oder Garn haben wollen, müssen wir es von den Juden um teures Geld kaufen". Tuchscherer: Die Juden streifen im ganzen Lande herum und überreden die christlichen Tuchscherer, für sie nur billige Ware zu verfertigen, mit der sie dann die Bauern betrügen. Die Meister gehen ihrem Ruine entgegen, von denen es noch vor wenigen Jahren 40 gegeben hat, jetzt gibt es kaum 5. Im christlichen Tuchhaus „Kotzen" ist kein feilhabender Christ zu sehen, dagegen ist der Tuchhandel der Juden sehr stark. Schnürmacher: Von den Juden geht alles mit allerhand Schnüren, Borten, Fransen, Quasten und sonstiger Krämerware aus Seide, Gold und Silber in der ganzen Stadt hausieren, geben sie um 1 oder 1/2 Kreutzer billiger und betrügen die Leute. Ehedem waren 20 bis 30 Meister mit je 4 bis 5 Gesellen gewesen, jetzt gibt es in allen 3 Prager Städten nur 4 mit einigen Gesellen. Buchbinder: Die Juden beschäftigen Pfuscher und schicken ihre Spione überallhin. Nicht allein weltliche Bücher, sondern auch Missalia und Breviaria binden sie ein, obwohl sie die heiligen Sachen mißachten. Tausende Juden laufen in die Jesuiten-Collegia, Klöster und in die vornehmen Häuser und machen den Meistern daselbst, ja sogar in der Stadtbuchdruckerei alle Arbeit abspenstig. Neue und alteingebundene Bücher tragen sie von Haus zu Haus und richten sich in den Christenhäusern völlige Buchläden ein. Dieses Memorandum hat für die Meister solche Folgen gehabt, die sie sicherlich nicht erwartet haben. Die nachteiligen Auswirkungen der Austreibung der Wiener Judenschaft haben den Kaiser veranlaßt, diesmal vorsichtiger zu sein und so erließ Leopold I. gleich nach Empfang dieser Beschwerde am 31. Dezember 1689 an die Statthalter ein Dekret, daß sie die böhmische Kammer und die Prager Judenschaft vernehme und darüber ein Gutachten einsenden möge. Die Statthalter waren jedoch über diese eigenmächtige Eingabe der Zünfte sehr aufgebracht und befragten den Altstädter Hauptmann, wer denn den Zünften die erfolgten Zusammenkünfte erlaubt hätte und wie sie solche Beschwerden an den Kaiser ohne vorherige Fühlungsnahme mit dem Magistrate hätten abgeben können. Der Altstädter Hauptmann Graf von Guttenstein antwortete daraufhin, die zu ihm vorgeladenen Zünfte hätten angegeben, sie hätten hierzu die Erlaubnis des Altstädter Richters erhalten. Übrigens hätte ihr Rechtsberater, der die Schrift verfaßt habe, auch wissen müssen, was sie tun dürften. Der Altstädter Richter Georg Ludwig Kucera von Osterberg, zur Verantwortung gezogen, verantwortete sich damit, daß die Meister dreier Zünfte, der Tuchscherer, Schuster und Schneider, sich von ihm die Er- 41 97