Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
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Durch die Juden sei in Prag die Pest entstanden. Sie kaufen durch Pest infizierte Betten, Decken und Kleider und verkaufen sie den Christen. In einer Nacht hätten die Juden alle Brunnen vergiftet, um alle Christen auf einmal wegzuräumen, als zahlreiche Christen daran starben, seien die Brunnen gesperrt worden. Die Juden sollten aus allen Erbländern vertrieben werden, zumindest müßten sie durch Abschaffung der Müßiggänger und Zuträger reduziert werden. Die Folge dieses Memorandums war, daß der Kaiser am 26. März 1680 ein Dekret erließ,33 wonach die Juden von Prag nach Lieben transferiert werden sollten. Die Kommission verständigte am 7. Mai 1680 hievon den Altstädter Magistrat, fügt jedoch hinzu, bisher sei noch kein annehmbarer Vorschlag gemacht worden, woher die Mittel zum Bau der Wohnungen genommen werden sollten. Bis zur Brandkatastrophe der Prager Judenstadt am 21. Juni 1689 haben die Zünfte nichts weiter gegen die Prager Juden unternommen. Dieses über die Juden hereingebrochene Unglück veranlaßte sie jedoch, mit neuer Kraft und neuen Anwürfen den Sturm gegen die Juden zu entfachen. Die geschworenen Ältesten und sämtliche Meister von 31 Zünften aller drei Prager Städte (zu den 12 früheren kamen noch 19 Zünfte hinzu) reichten am 14. Dezember 1689 an den Kaiser ein Gesuch ein, worin sie ihm für seine Resolution vom 26. März 1680 die Juden nach Lieben zu transferieren, ihren Dank aussprachen. Der Plan sei wegen angeblichem Mangel an Mitteln nicht ausgeführt worden, die Juden besäßen jedoch so viel Geld, um drei solche Judenstädte aufzubauen. In den letzten neun Jahren hätten die Juden in Prag und auf dem Lande um viele tausende Köpfe zugenommen und seien viel mächtiger und freier geworden. Dieses „furchtbare Nattergezücht" hätte so überhandgenommen, daß sie die Christen zu ihren Dienern und Sklaven machen und diese schon aus ihren Händen das Bettelbrot nehmen müßten. Die Juden müßten aus der Stadt und dem ganzen Königreiche vertrieben werden, da sie weder durch Gesetz, noch durch Ringmauern von ihrer Bosheit abzubringen seien. Im Falle ihrer Vertreibung versprächen sie dem Kaiser nicht nur das Kontingent der Judensteuern zu zahlen, sondern noch viel mehr Steuern aufzubringen84. Künftighin würde ihr Steuerquantum immer größer sein. Damit aber der Kaiser die ersehnte Juden Vertreibung sicher durchführe, fügen die Zünfte die Drohung hinzu: „Gott behüte das ganze Königreich vor dem Zorn Gottes, welcher hiedurch gar leichtiglich erweckt werden dürfte". Zu dieser Eingabe legten die neuhinzugekommenen 19 Zünfte eine Beschwerde bei, worin jede Zunft ihre durch die Juden erlittene Beeinträchtigung vorbringt. Wenn diese auch vielfach übertrieben erscheinen, 94 38