Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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sehen lassen, weiß die ganze Stadt". Die christliche Bürgerschaft wäre solches nicht imstande aufzuführen, selbst wenn „man 10 Prager Städte zusammenschmieden" sollte.32 Die Juden würden überall den christlichen Meistern, die laut ihrer Zunftordnung dauerhafte Ware anfertigen müßten, vorgezogen. Die Ausstaffierung der angeworbenen Soldaten zu Roß und zu Fuß, die Lieferung für ganze Regimenter von Haupt bis zu Füßen geschehe durch die Juden. Die Klage- und die meisten Hochzeitskleider, ebenso die Livreen würden von den Juden verfertigt. Kein Fremder, kein Offizier, kein Student lasse mehr bei den Christen arbeiten. Dieses sei allein der Taktik der Juden zuzuschreiben, die darin bestehe, daß sie ihre umherlaufenden Spione und Zuträger bei allen Stadttoren, auf allen Straßen, in allen Wirts- und Herrenhäuser, die Klöster nicht ausgenommen, hielten, die alles ausforschten und der Judenstadt zuführten. Früher hätten die Juden mit alten Kleidern und schlechten Krämereien gehandelt, jetzt verfertigten sie lauter neue Ware. Gegen den 9. Punkt ihres Privilegiums vom Jahre 1648 verstoßen sie durch folgende Tatsachen: 1. Seien sie keine gerlernten Handwerker. 2. Hielten sie christliche Gesellen, Störer und Pfuscher und gäben ihnen bei Tag und Nacht Unterkunft. 3. Trügen sie die von ihnen verfertigte Arbeit in den Gassen und Häusern zum Verkaufe herum. 4. Hätten sie ihre Läden auf dem Tandelmarkte und in der Judenstadt nicht nur 2 Tage in der Woche, sondern das ganze Jahr geöffnet. 5. Übe der Altstädter Hauptmann die ihm übertragene Aufsicht über ihre Handwerksarbeit nicht aus. 6. Werde ihnen eine in unehrbarer Vorteilhaftigkeit, in betrügerischer und untüchtiger Weise gemachte Arbeit nicht weggenommen und sie würden hiefür nicht bestraft. 7. Sollten sie der kais. Begnadigung verlustig erklärt werden. Die ehrsamen Zunftmeister begnügen sich jedoch noch nicht mit den vorgebrachten Beschuldigungen, sondern werfen den Juden solche ungeheure Laster vor, deren Unstichhältigkeit sofort zu erkennen sind, um nur ihr angestrebtes Ziel zu erreichen. Die katholischen Handwerksgesellen, führen sie an, seien gezwungen bei den Juden Nahrung zu suchen, „aber was sie dort sehen und lernen, weiß Gott. Wie manches Handwerksbürschel, wie mancher fremder ehrlicher Mann, ist mit seinem Ranzen frisch und gesund in die Judenstadt gegangen, aber niemals wieder gesehen worden". Die grausamen Judenlaster seien: „Diebstahl, Sakrilegien, Wucher, Ehebrüche, Kupplereien, Mordtaten, Gotteslästerung, Vergiftungen, Verfluchung Christi, Maria, alle Heiligen im Himmel und alle Christen auf Erden". Als Zeugen hiefür bringen sie den böhmischen Chronisten Hajek und den gewesenen Juden Christian Gerson, der 1659 zu Erfurt ein Buch über den Talmud schrieb. 37 93