Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 93)
- Language
- German
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und die Streitigkeiten zu schlichten, damit keine Überfälle vorkommen, die Kontribution ordentlich abgeführt und unnötige Behelligung höheren Ortes vermieden werden sollten. Die Untersuchungskommission wird sicherlich ihre Aufgabe gründlich durchgeführt haben; wenn sie dennoch nichts gegen die jüdischen Gewerbetreibenden unternommen hat, so lag eben kein Grund zum Einschreiten vor. Die Ältesten und Meister der zwölf Zünfte der drei Prager Städte wollten aber unbedingt ihre jüdische Konkurrenz ausschalten, sie reichten daher im Jahre 1680 abermals an den Kaiser ein Memorandum ein, das an Angriffen und Pauschalbeschuldigungen der Juden alles bisherige durch Schärfe und Rücksichtslosigkeit übertraf. Die Zünfte schildern in ihrer Eingabe ihre bisherigen vergeblichen Schritte und bringen statistische Daten, die den Niedergang ihres Handwerkes darlegen sollten. Darin stellen sie die Zahl der Zunftmeister vor 20 bis 30 Jahren in allen drei Prager Städten der gegenwärtigen Zahl gegenüber. Diese lautet: Hutschmucker früher 28 jetzt 2 Posamentiermacher 99 18 „ 2 Sattler 99 20 4 Weißgerber 99 30 5 Kupferschmiede 99 15 6 Glaser 99 30 6 Strumpfstricker 99 40 8 Hutmacher 99 40 9 Kürschner 99 100 27 Sehneider 99 über 400 „ 130 Schuster 99 500 150 Als Gesamtzahl der früheren Meister geben sie 1245 gegenüber der gegenwärtigen 355 an. Dementsprechend hätte sich auch die Zahl der Gesellen vermindert, wo früher bei einem Handwerker 100 Gesellen gewesen seien, befinden sich jetzt nur 10. An den Niedergang seien allein die Juden schuld, die den ganzen Handel und die Handwerksnahrung an sich gezogen hätten und die christlichen Meister fünf bis sechsfach übertreffen. Den Juden sei ihre Stadt viel zu eng und hätten daher über 40 angrenzende Christenhäuser besetzt, wo sie sogar eine Synagoge gemacht hätten. In den Läden, Ständen und Gewölbe im Ungelt, St. Jakob, bei St. Galli und am Tandelmarkte, wo sie ihren Handel treiben, seien an 2000 Juden. Der Reichtum der Prager Juden sei bei ihrem festlichem Aufzuge anläßlich des Freudenfestes des Erbprinzen Josephus (der nachmalige Kaiser Joseph I. ist am 26. Juli 1678 geboren) erst recht zu Tage getreten. „Was für eine Pracht an Gold, Silber und Kleinodien sie dabei haben 92 36