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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 92

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 92)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644311--3469-2647817
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Als die Appellationskammer das verlangte Gutachten nicht erstattete, übersandten die zwölf Zünfte dem Kaiser ein neues Memorandum. Sie schildern darin ihren seit 1670 geführten Kampf gegen die Juden und beschuldigen die Statthalter wegen Sabotierung des abzugebenden Gutachtens. Die Verschlechterung ihrer Lage schreite von Jahr zu Jahr fort, sodaß von den christlichen Meistern und Gesellen nicht einmal mehr der fünfte Teil vorhanden sei, wie vor 30 Jahren. Die Verarmung der christlichen Zünfte zeige sich auch darin, daß diese früher reichliche Summen zu kirchlichen Zwecken und zur Erbauung von Spitälern hergeben konnten, wozu sie jetzt außerstande seien. „Hingegen prangen die Juden in ihren Synagogen mit Edelgestein, Messing, Silber und Gold. Keiner von ihnen bettelt, wenn jemand was braucht, ein Alter oder Krummer, wird er von der Anlage erhalten. Sie senden sogar nach auswärts für ihre Brüder Geld". Die Juden halten sich gar nicht an ihre Privilegien, da nicht der tausendste Jude das Handwerk erlernt hätte. Sie üben ihr Handwerk gar nicht unter sich, sondern in Christenhäusern aus. Es sei schon soweit, daß die christlichen Gotteshäuser durch jüdische Arbeit versehen werden. Ein Verzeichnis der christlichen Handwerker, die durch die jüdischen ganz ins Verderben geraten seien, zählt folgende Zünfte auf: 1. Goldschmiede 9. Sattler und Wagenmacher 2. Strumpf Stricker 10. Glaser 3. Schnürmacher 11. Messerschmiede 4. Hutter (Hutmacher) 12. Kürschner 5. Hutschmucker 13. Seidenwirker 6. Tuchmacher 14. Perlhefter 7. Tuchhändler 15. Schneider u. a. m. 8. Leinwandhändler Die Zünfte wenden sich in ihrem Memorandum auch scharf gegen die stetige Zunahme der Prager Juden, die sich nicht nur durch ihren natürlichen Zuwachs vermehren, sondern auch durch die vertriebenen und „entloffenen" Juden aus Portugal, Italien, Polen, Ungarn und Österreich. Alles käme nach Prag und Böhmen. Dagegen sei eine Abnahme nicht zu erwarten, „massen ein Jud in kein Kloster und in keinen Krieg gehet". Die Prager Judenältesten werden sicherlich die notwendigen Schritte zur Entkräftung der vorgebrachten Anklagen unternommen haben. Wir wissen, daß sie sich am 29. März 1677 dagegen beschwerten, daß die christlichen Zünfte die kais. Privilegia interpretierten und disputierten, was nach der kais. Resolution vom Jahre 1651 niemanden zustehe. Die Statthalter beauftragten auch gleich (30. März) den Altstädter Richter, beide Parteien durch die hiezu ernannte Kommission vernehmen zu lassen 35 91

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