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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 91

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 91)
Language
German
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IRI
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2. Kampf der christlichen Zunftorganisationen. Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges folgte eine Zeit des wirtschaftlichen Niederganges. Die großen Lieferungen von allen möglichen Handwerksartikeln fürs Militär wurden stark reduziert und die allgemeine Verarmung griff stark um sich, so daß in den Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkte innerhalb von 20 Jahren eine wesentliche Veränderung eintrat. Hiezu kam noch die allmähliche Verbreitung der Konfektionsware, wodurch in erster Reihe die Zunfthandwerker betroffen wurden. Die christlichen Zünfte erblickten jedoch in der Konkurrenz der Juden die einzige Ursache für den Niedergang ihres Handwerkes, was eine heftige judenfeindliche Strömung zur Folge hatte. Als nun im Jahre 1670 die Austreibung aller Juden aus Wien erfolgte, glaubten die Prager christlichen Zünfte, daß nunmehr auch für sie die Zeit gekommen sei, um sich die verhaßte Konkurrenz der Juden vom Halse zu schaffen. Die Bürger und Handwerksleute von zwölf christlichen Zünften reichten im Jahre 1670 zur Statthalterei ein Memorandum ein, worin sie in bewegten Worten den „unaussprechlichen" Schaden schildern, den ihnen die jüdischen Handwerksleute auf allen Gebieten zufügten, so daß sie kaum mehr ihre bürgerliche Nahrung finden könnten. Jede einzelne Zunft brachte gegen die Juden eine Beschwerde ein und bat die Statthalter um Remedur. Die Statthalter ließen diese Beschwerden den amtlichen Weg gehen. Am 28. November 1670 übersandten sie diese an den Altstädter Magistrat, damit er beide Parteien vernehme und dann darüber ein Gutachten einsende. Das vom Magistrat erstattete Gutachten befriedigte jedoch die Statthalter in keiner Hinsicht, weshalb sie sich vom Altstädter Magistrat am 29. Juli 1671 über folgende Fragen einen Bericht erbaten: 1. wodurch die Juden den einzelnen Zünften einen Schaden zufügten; 2. womit die Juden ihre eigenen Privilegien überträten; 3. auf welche Weise dem Übel abgeholfen werden könne. Den daraufhin abgegebenen Bericht übersandten die Statthalter mit allen anderen eingelaufenen Schriften am 18. April 1673 an die Appellationskammer zur Begutachtung. Bei seinem Prager Aufenthalt empfing Kaiser Leopold I. am 7. September 1673 die Vertreter der christlichen Zünfte in Audienz. Sie schilderten dem Kaiser ihre mißliche Lage und baten ihn fußfallend, gegen die ihnen großen Schaden zufügenden Juden einzuschreiten. „Mit höchsten Freuden" vernahmen sie vom Kaiser, daß er das „hoehschädliche jüdische Übel" abstellen werde. Der Kaiser verlangte daraufhin von den Statthaltern einen beschleunigten Bericht, wieweit die Juden gegen ihre Privilegien gehandelt hätten. Diese übergaben das kaiserliche Schreiben am 8. Mai 1674 der Appellationskammer. 90 34

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