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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 86

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 86)
Language
German
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IRI
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verrichteten. Die Zunftglaser griffen sie tätlich an, zerschlugen ihnen ihre Ware, verletzten sie durch heftige Schläge und untersagten ihnen jede weitere Arbeit auf der Kleinseite. In der Klage der jüdischen Glaser gegen die christlichen Meister heben sie die Tatsache hervor, daß sie bis zur Pestseuche im Jahre 1680 von den alten christlichen Meistern stets unbehindert ihr Handwerk ausüben konnten. Die alten Meister seien jedoch zumeist in der Contagion umgekommen und die jetzigen jungen und fremden christlichen Meister gingen sehr rigoros gegen die Juden vor, obwohl sie nur die bei ihnen von Christen bestellte Arbeit verrichtet hätten. Die Kleinseitner Meister beriefen sich dagegen auf ihre Privilegien und behaupteten, die Juden hausierten von Haus zu Haus und kauften ihnen das Glas „von der Nase weg". Sie müßten viel Kontribution zahlen und hätten auch sonst große Lasten auf sich. Erst das Eingreifen der Statthalter stiftete wieder Frieden und beruhigte die aufgeregten Gemüter. e) Die Strumpf Stricker. Der Strumpfhandel bildete eine wichtige Ernährungsquelle der Prager und böhmischen Juden, die zum Teile die Strümpfe selbst gestrickt haben. Differenzen zwischen den christlichen Strumpfstrickern und den Juden in Prag dürften kaum vorgefallen sein, dagegen bestanden solche in Pilsen und Kralowitz. Die Juden kamen im Jahre 1675 zum Jahrmarkte nach Kralowitz, um dort ihre Strickware zu verkaufen; Dieses wollten jedoch die Meister des Strumpfstrickhandwerkes nicht erlauben, weil die Juden, wie sie am 26. März 1676 angeben, zu ihrem „großen Abbruch und merklicher Verkürzung" mit untauglicher Ware handelten und ehrliche Leute betrögen. Über Beschluß des Bürgermeisters und des Rates der Stadt Kralowitz wurde den Juden die Ware weggenommen. Diesem Beschlüsse schlössen sich auch die Strumpfstrickmeister der Stadt Pilsen an. Nach vergeblichen Schlichtungsversuchen sah sich der Prager Jude Moses Abeles am 19. August 1677 veranlaßt, gegen dieses Vorgehen bei den Statthaltern einzuschreiten. Den Juden, führt er aus, sei es nach den Privilegien gestattet, sowohl in Prag als auch in allen Orten des Königreichs während der Marktzeit sowie die Christen Tuch und Strickware zu verkaufen, was auch im ganzen Lande stets ohne Störung vor sich gehe. Nur in Pilsen, wo die Juden schon über 20 Jahre zum Nutzen der Königl. Regalien handeln, würden sie im Strumpfwarenverkauf gehindert. Die Juden hätten stets erstklassige Ware geführt. 29

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