Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
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ihr Handwerk nicht mehr ernähren. Mehr wollte er und keiner der Erschienenen, wie der Altstädter Hauptmann hinzufügt, „scheinbar über Veranlassung" der Judenältesten nicht aussagen. Der Schuhhändler Isak Lux (Lucka)18, dem kurz zuvor 100 Paar Schuhe, nach Behauptung der Zunftältesten jedoch nur 17V2 Paare, weggenommen wurden, und die anderen Händler wollten nicht bekennen, woher sie ihre Schuhe bezögen. Sie antworteten nur, man bringe sie ihnen ins Haus. Sie kaufen sie jedoch, fügt der Hauptmann hinzu, von Störern, Pfuschern und Dorfflickern, wodurch die christlichen und auch die jüdischen Handwerker ins Verderben gestürzt würden. Um diese zu schützen, seien die jüdischen Schuhhändler gänzlich zu kassieren. Die Entscheidung der Statthalter ist aus den Akten nicht ersichtbar, sie dürfte jedoch nicht ganz zu Ungunsten der Schuhhändler ausgefallen sein. Die Eigenmächtigkeiten der christlichen Schuster nahmen jedoch auch weiterhin ihren Fortgang. Dem jüdischen Schuster San will Nessanel nahmen sie im Jahre 1688 eine Anzahl Schuhe weg, woraufhin die Statthalter den Neustädter Hauptmann Harrich Graf v. Guttenstein beauftragten, für die unweigerliche Zurückgabe der abgenommenen Schuhe Sorge zu tragen. Ein abermaliger Exzeß würde an den Übertretern ernstlich geahndet werden. Der Hauptmann habe darauf zu achten, daß ein derartiger Unfug und solche Tätlichkeiten abgestellt werden. Um aber die Berechtigung ihrer Angriffe zu beweisen, legten die Ältesten der Altstädter Zechmeister zwei Bestätigungen vom 1. Juni 1688 vor. Christian Sin, Bürger der Altstadt, und Christian Mörschl bestätigen, bei der Altstädter Hauptwache gesehen zu haben, wie zwei Juden aus dem Hause des Salomon von Friedberg Stiefel und Schuhe heraustrugen. Sie vermuteten darunter Pfuscherarbeit und versuchten sie ihnen zu entreißen; der ältere konnte zwar entkommen, dem jüngeren nahmen sie jedoch die Stiefel weg und übergaben sie den Zunftältesten. Der Schuhknecht Blasius Aschlitz bestätigt, daß die Judenschuster bei Pfuschern Schuhe verfertigen lassen: In Friedbergs Behausung, beim goldenen Briegl in der Plattnergasse und bei der goldenen Gans in der Karpfengasse. Besonders die Judenschuster San will Nessanel und sein Bruder Jakob Nessanel und Jochanan in der goldenen Gasse. Er habe dies gesehen, als er noch bei den Pfuschern Arbeit verrichtete. Aus diesen Zeugenaussagen, schreiben die Zechmeister, gehe klar hervor, daß die Judenschuster gegen unsere und ihre eigenen Privilegien handeln. Da sie den Nessanel gerichtlich belangen wollten, möge alles in statu quo belassen werden. Der Neustädter Hauptmann berichtete am 10. Juni über seine Rücksprache mit dem Altstädter Magistrat und sandte die Eingabe 27 83