Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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Kral, die in beiden Sprachen für die Aufnahme der Juden in ihre Gilde eintraten. Der tschechische Schneider Vaclav Schindler wandte sich schroff dagegen und rief aus: „Sollen Heiden unter uns treten und in die Innung aufgenommen werden? Um Gottes Willen bitte ich euch, meine Herren Brüder, gebet nicht eure Zustimmung dazu, denn wie sollten es uns die anderen Zünfte auslegen, weil es nirgends erhört ist, daß Juden in der Zunft sein sollten". Auch fügte er noch hinzu, lieber wollte er, die Mutter hätte ihn im ersten Bade ertränkt, als er diesem Vorschlage beitreten würde. Diese Rede tat ihre Wirkung. „Alle anderen Meister waren dagegen, es wäre keine geziemende Sache, daß Juden Mitbrüder der Schneiderzunft sein sollten". Dies dürfte der erste und letzte Versuch der Prager Juden gewesen sein, in eine christliche Zunft aufgenommen zu werden. IL DIE PRIVILEGIEN FÜR DIE FREIE AUSÜBUNG DES JÜDISCHEN HANDWERKES22 (1. Hälfte des XVII. Jahrhunderts) König Mathias, der Nachfolger Rudolf IL, war den Juden ebenso gewogen wie sein Vorgänger. In die am 15. August 161128 erfolgte Bestätigung ihrer Privilegien nahm er alle von den böhmischen Königen zu Gunsten der Juden erteilten Privilegien und Resolutionen auf, darunter auch den von Rudolf IL am 26. Mai 1595 gefällten Schiedsspruch. Er fällte auch am 3. Mai 1617 eine Entscheidung im Streite zwischen den Juden und den christlichen Kaufleuten, Kürschnern und Schneidern, die sich jedoch nicht erhalten hat.24 Ein wesentlicher Fortschritt in der freien Betätigung des jüdischen Handwerkes erfolgte unter der Regierung Kaiser Ferdinand IL Schon in seiner Bestätigung der Privilegien für die Prager und böhmischen Juden d. d. Regensburg, den 23. Jänner 1623 erweiterte Ferdinand II. ihre Rechte ganz erheblich und gewährte ihnen fast eine vollständige Freizügigkeit in ihrer Handelstätigkeit .25 Die Weiterführung des großen Krieges erforderte große Summen, zu denen auch die Prager Juden einen entsprechenden Teil beitragen sollten. Diese verpflichteten sich im Jahre 1627 zu einer jährlichen Kontributionsleistung von 40.000 fl., bei Befreiung von allen anderen Abgaben und Steuern, gegen eine Erweiterung ihrer Privilegien auf wirtschaftlichem Gebiete. 68 12