Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
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wurden scheinbar die Prager Juden wieder zu ihrer früheren Untätigkeit verurteilt. Eine Entwicklung oder Ausbreitung des jüdischen Handwerkes war daher bei der ängstlichen Wachsamkeit der christlichen Zünfte unmöglich. Die Zünfte betrachteten die jüdischen Handwerker als Pfuscher, die außerhalb ihrer Innung standen, demgemäß behandelten sie die jüdischen Handwerkserzeugnisse auch als Pfuscherware und verboten den Juden den Verkauf von Handwerksartikeln. Eine Änderung in diesen Verhältnissen trat erst mit dem Regierungsantritte Kaiser Maximilian II. im Jahre 1564 ein. Nach den letzten Leidensjahren der Juden unter Kaiser Ferdinand L, der sie dauernd mit der Austreibung bedrohte und diese teilweise auch durchführte,11* erscheint Maximilian II. den Juden als milder Herrscher, der sie im allgemeinen beschützte, wenn er auch so manche ungerechtfertigte Angriffe gegen die Juden guthieß. Kaiser Maximilian II. bestätigte am 4. April 1567 den Juden ihre Privilegien,12 worin er ihnen seinen Schutz zusagte und sie versicherte, sie nicht aus Prag und dem Königreiche zu vertreiben und nicht zuzulassen, daß ihnen in ihrem Gewerbe, Handel und Geschäften (v zivnostech, handlich a obchodich jejich) Hindernisse gemacht würden. Gestützt auf die ihnen erteilten Privilegien erweiterten die Juden ihren Handel und ihr Gewerbe, sie ließen alte Pelzwaren und mit Rauchware besetzte Kleider zum Nutzen des armen Volkes, wie dies aus den Akten hervorgeht, von jüdischen und christlichen Gesellen umarbeiten und führten ausländische Ware ein, die von ihnen die Bürgersleute mit Vorliebe kauften. Dadurch begann aber der heftige Kampf der Prager Kürschner- und Schneiderzunft gegen sie einzusetzen,18 der ohne Unterbrechung bis Ende des Jahrhunderts andauerte. Die Kürschner der drei Prager Städte reichten im Jahre 1571 beim Kaiser eine Beschwerde gegen die Juden ein, die billige polnische und russische Felle einführten und sie durch nichtbefähigte Gesellen verarbeiten ließen und ihnen durch deren Verkauf einen großen Schaden zufügten. Kaiser Maximilian II. entscheidet in Erledigung der Beschwerde der Kürschnerzünfte im Jahre 1571 gegen die Juden, die entgegen den Privilegien, die König Vladislav dieser Zunft erteilt hat, zum Schaden des Gewerbes mit ihren Erzeugnissen Geschäfte betreiben. Der Kaiser verbietet dieses den Privilegien widerstrebende Gebahren und erneuert gleichzeitig der Prager Kürschnerinnung die alten Privilegien des freien und ungehinderten Verkaufes ihrer Waren und verspricht ihnen Schutz gegen die Störer dieser Zunftordnung. Nur den Personen höheren Standes, Herren, Rittern und Geistlichen stehe es frei, für ihre Arbeiten Kürschner zu halten, ohne von den Stadtkürschnern daran gehindert zu werden. Die Juden dürfen nur an Jahrmarktstagen ihre Artikel verkaufen. (Vergleiche Beilage I.) 5 61