Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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sehen, wo der Erschlagene geblieben ist... Und bezüglich der Zeugen - schaft des Juden, der aussagte, daß er ihn (den Ermordeten) zur Beisetzung nach Eger gebracht hat, so ist seine Aussage bedenklich, da er gesagt hat, er hätte ihn erkannt, wobei er so auf deutsch sagte: un was da vas vun dem Parzuf46 un dem Leibe, d. h. was da war vom Gesicht und dem Körper. Aus diesem ist aber zu schließen, daß sein Gesicht wie sein Körper nicht ganz waren, und wenn dem so ist, wie kann er denn über ihn aussagen?... Und was die Zeugenschaft des Chawer47 R. J. anlangt [der aussagte] , daß er von jenem Juden, der zusammen mit dem Christen gegangen war den Erschlagenen zu holen, gehört hätte, wie dieser gesagt hätte, daß er (der Christ) ihn an seinem Zahne, nämlich am Loche in einem seiner Zähne erkenne — und so sagte auch Jechiel aus, daß er von dem Juden, der ihn (den Erschlagenen) fand, gehört hätte, daß der Christ gesagt hätte, er erkenne ihn an dem Merkmal, das er an seinem Zahne hat — hier stimmt etwas nicht. Dieser Jude ist wahrscheinlich der Zeuge Josefa,48 Sohn Moses, warum hat er aber dieses Merkmal in seiner Zeugenaussage nicht angeführt?... Auch habe ich noch andere Bedenken. Es sind jetzt über 2 Jahre her, daß Lasen aus Plauen, der Bruder des Ermordeten, hier in Erfurt war und mich bat, die Erlaubnis zur Wiederverheiratung für die Frau seines Bruders herauszufinden. Da fragte ich ihn, ob sie (die Zeugen) die Identität des Erschlagenen mit seinem Bruder festgestellt und auf welche Weise sie ihn erkannt haben, und er sagte, daß er (der Erschlagene) an dem Körper nicht zu erkennen war, denn man habe bloß Knochen gefunden, aber sie haben seinen Hut und seinen Spieß erkannt. Die Aussage des Zeugen stimmt also nicht mit der Darstellung des Lasen überein. Und so kann ich weder ein Verbot noch eine Erlaubnis (der Wieder Verheiratung) aussprechen, bis die Sache wieder durch Verhör der Zeugen geprüft und erforscht wird... Und erinnere ich mich, daß vor mehr als 30 Jahren ein ebensolcher Fall wie der unsrige sich zugetragen hat. Ein Mann Namens David Weißenberg ist, wegen unserer vielen Sünden, im Walde erschlagen worden , und es wurde ein Teil seines Körpers sowie seiner Kleider gefunden, und es hat dort ebenfalls die Zeugenaussage eines Christen vorgelegen, der Hergang der Sache ist mir aber nicht mehr gegenwärtig. Und es haben in ihren (der Frau Weißenberg) Sachen alle großen Rabbiner Deutschlands und Frankreichs verhandelt, sie sind aber nicht zur gleichen Meinung gelangt; ein Teil hat erlaubt (die Wiederverheiratung) und ein Teil hat verboten, und die Frau ist bis auf den heutigen Tag Aguna geblieben. Ich glaube, daß sie in Dillingen wohnte... und wahrscheinlich besitzt sie all die Urteile unserer Lehrer, sende ihr [ein Schreiben], daß sie Dir diese schicken möchte. Und R.N. aus Eger s.A. gehörte zu denen, die für Erlaubnis waren49... So sprach der Geringe, Jakob Weil60. 21 47