Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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stimmt, die ihre Meinungen und Motive klarlegen. Und da dem so ist, was willst Du über sie (die Gemeinde) klagen und sie in schlechten Ruf bei unseren Lehrern bringen. Und die, die gegen Dich sind, bleiben bei ihren früheren Äußerungen, daß sie Dich weder zum Herrn noch zum Richter über sie aufnehmen wollen, und sie haben ihr Verhalten begründet. Und bezüglich dessen, was ich Dir vorher geschrieben habe, Du sollst mit ihnen nach Schweidnitz33 [zu Gericht] gehen usw., so schreibt mir eben Alluf34 R. Pfinchas], G. m. i. b., daß er seinen Kopf zwischen euch nicht stecken möchte, weder als Schlichter noch als Richter in der Sache, die Ihr miteinander habt, und er begründet seine Worte, und seine Begründung ist einleuchtend. Und seitdem die Zänkerei zwischen Euch begonnen hat, habe ich davon abgesehen, Euch meine Meinung zu schreiben, wie es mir nach dem Gesetz [richtig] zu sein scheint. Ich habe wohlan beide Parteien geschrieben, jedoch ohne meine Meinung zu äußern, denn ich sagte mir, vielleicht finden sie selber ein Heilmittel, oder daß der Alluf R. P., G. m. i. b., und die Gepanzerten (Gelehrten), die bei ihm sind, einen Weg finden werden, um den Haß und den Zorn aus der Welt zu schaffen. Ich hoffte auf Gutes und Frieden — es kam aber keine Heilung. Nun ist aber infolge dieses Streites die Provinz (die Gemeinden) in Unsicherheit und Verwirrung geraten, es ist keine Sicherheit da für Ab- und Zuziehende und es gibt keine Ordnung in der Gemeinde (von Breslau), so daß zu befürchten ist, daß viele Unzuträglichkeiten durch diesen Zwist entstehen können. Und da Ihr mir in einem fort einen Boten nach dem anderen sendet und beide Parteien ihre Klagen bei mir vorbringen, so ist nun die Sache einigermaßen von mir abhängig, also habe ich den Bausch meines Gewandes geschüttelt,35 um vor Gott und vor Israel rein dazustehen und das zu ordnen, was mir zu ordnen möglich ist. Und so teile ich meine schwache Meinung mit... Eine Barajta (Nachtrag zur Mischna) lehrt:36 Bei Zivilprozessen sprechen drei [Richter] das Recht; ist aber jemand ein allgemein bewährter Sachverständiger, so kann er sogar als einzelner richten... „Deshalb muß es ein sachverständiger Richter sein, einer, der sich allgemein bewährt hat, und dessen Weisheit offenbar und der weiten Öffentlichkeit bekannt ist, um als einzelner richten zu dürfen, und es kann ein solcher über einen Menschen sogar gegen dessen Willen das Recht sprechen", so der Ascheri.37 Und jetzt in unserer Zeit sind die Geschlechter entartet, die Fähigkeiten geringer, die Richter fehlbarer geworden, und wir finden nirgends einen Gelehrten, der ein allgemein bewährter Sachverständiger wäre, der es auch verdient hätte, ein allgemein bewährter Sachverständiger genannt zu werden... Und der Mann, der das „Agudah" verfaßt hat,38 lebte vor den Verfolgungen39 und trotzdem sagte er, daß es zu jener Zeit keinen [vollendeten] Talmudgelehrten... gab, 19 45