Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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Sollten aber die Juden Böhmens selbst diese großen Gelehrten zu jener Zeit hervorgebracht haben, so würde das bedeuten, daß unter den Juden Böhmens bereits im XI. Jahrhundert eine hochentwickelte jüdische Kultur bestanden hat, was erst nach einer Seßhaftigkeit von mindestens einem Jahrhundert möglich wäre. In beiden Fällen ist also anzunehmen, daß die Juden spätestens im X. Jahrhunde/t nach Böhmen kamen.21 Daß es zur Zeit Elieser b. Nathans bereits mehrere jüdische Gemeinden in Böhmen gab, erfahren wir von ihm in einer anderen Stelle,22 die ebenfalls von Rituellem handelt, nämlich vom Ritus des Jom-Kippur-Abends. In seiner Vorschrift, nach dem „Kol Nidre"-Stück den Vers „We-nislach" zu sagen, stützt er sich auch auf die Tatsache, daß es so Brauch ist „in allen Kehillot (Gemeinden) des Landes Kanaan", d. Ji. Böhmens.28 Die Vorzüge der Responsen gegenüber anderen Geschichtsquellen sind folgende: 1. Das geschichtlich verwertbare Tatsachenmaterial der Responsen trägt den Stempel absoluter Wahrheit. Denn die Responsen sind zum Zwecke strittige Fragen ritueller oder rechtlicher Natur zu entscheiden, geschrieben worden, keineswegs aber für Geschichtszwecke. Infolgedessen sind ihre Erzählungen und Darstellungen von höchster Zuverlässigkeit, frei von jeder legendären Ausschmückung und tendenziösen Färbung. Was wir von den anderen Quellen nicht immer behaupten können. 2. Die Responsen geben uns Aufschluß nicht nur über die Beziehungen der Juden zur Außenwelt, d. h. zur nicht jüdischen Welt, so zu den jeweiligen Herrschern und der Bevölkerung, unter der sie lebten, sondern auch — was noch wichtiger ist — über die innere Struktur des jüdischen Lebens, sei es in der Familie, sei es in der Gemeinde, und zwar sowohl über den jüdischen Alltag als auch über besondere ungewöhnliche Begebenheiten . Von dieser Seite jüdischen Lebens zeigen uns die anderen, nichtjüdischen Quellen herzlich wenig, und von diesem wenigen wird zuweilen ein Zerrbild geliefert. Aber auch hinsichtlich der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden, zu welchem Kapitel die anderen Quellen das meiste Tatsachenmaterial geliefert haben, sind die Responsen von besonderer Wichtigkeit, da sie diese Beziehungen von der jüdischen Auffassung aus werten. Daß die Responsen die ergiebigsten Quellen für die Kulturgeschichte der Juden sind, braucht nicht erst gesagt zu werden. Die Responsen als Geschichtsquellen besitzen aber auch Mängel, die ihre Verwertung nicht unbedeutend erschweren. 1, Das geschichtliche Material der Responsen ist meistenteils nicht leicht greifbar, denn es liegt nicht offen und klar vor uns, sondern muß erst aus dem anderen, es überwuchernden gelehrten (halachischen) Inhalt herausgeschält werden. Zuweilen bringt erst ein in anderen Quellen (z. B. 88 12