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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 39

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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IRI
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ihre Repartierung unter den Gemeindemitgliedern, die gegenseitige Hilfe der Gemeinden im Notfall; Willkür der Herrscher in bezug auf das jüdische Vermögen, die Schätzungen, allgemeine und spezielle Verfolgungen seitens der Christen, Zwangstaufen, falsche Anschuldigungen, die jüdischen Abwehrmaßnahmen, schließlich die Handelsbeziehungen zwischen Juden und Christen. Von den aufgezählten Sitten und Zuständen, Beziehungen und Verhältnissen erfahren wir aber aus den Responsen meistenteils nicht direkt, sondern indirekt aus den durch diese Zustände und Verhältnisse hervorgerufenen Rechtsstreitigkeiten, die den Gegenstand des betreffenden Responsums bilden. In dieser Beziehung sind die Rechtsgutachten in den Responsen ebenso lehrreich wie die Gerichtsbücher der alten Justiz. Auch die Verfolgungen der Juden und sonstiges sie treffendes Mißgeschick wird in den Responsen nicht beschrieben, nur nebenbei erwähnt, und wir erfahren die Einzelheiten der traurigen Geschehnisse ebenfalls auf indirektem Wege, dafür aber solche Details, die wir in anderen Quellen nicht finden können. Und nicht nur die Responsen, die Rechtsgutachten enthalten, sind für die Geschichtsschreibung wertvoll, sondern auch die rein rituellen Inhalts. Wie wir aus einem Responsum rituellen Inhaltes, das von einem Mainzer Rabbiner herrührt, eine für die Geschichte der Juden in Böhmen wichtige Tatsache gewinnen können, soll im Folgenden gezeigt werden. Elieser b. Nathan in Mainz erzählt uns in einem Responsum20 folgendes: „Und auch als ich im Lande Kanaan (Böhmen) war, sah ich, daß wenn sie Met für das Passahfest kochten, und es geschah, daß sie in diesem oder im Gefäß, in dem er zubereitet worden war, ein Getreidekorn fanden, so tranken sie den ganzen Met vor dem Feste aus... und war mir bekannt, daß es so die früheren Weisen sie gelehrt haben, ihre Weisung war mir aber verwunderlich." Nachdem er aber aus Anlaß einer ähnlichen Anfrage in Mainz in den alten Quellen nachgeforscht hatte, fand er, daß die böhmischen Weisen recht hatten, und er beendet sein Responsum mit den Worten: „Und ich lobe meinen Schöpfer, daß er meinen Verstand erleuchtet hat, um die Worte der früheren Weisen zu erklären und zu bestätigen." Wenn also Elieser b. Nathan in seinem vor 1152 abgefaßten Werke von den „früheren Weisen" in Böhmen spricht und solche Ehrfurcht vor ihnen bekundet, so werden diese Weisen spätestens im XI. Jahrhundert gelebt haben. Da die Gelehrten und namentlich die großen Gelehrten gewöhnlich nicht die ersten sind, die in ein neues Land ziehen, sondern zuerst die Kaufleute und Handwerker kommen, denen erst die Gelehrten nachfolgen, so wäre im Falle, daß diese Gelehrten aus anderem Lande nach Böhmen kamen, daraus zu schließen, daß die ersten Siedlungen von Juden in Böhmen bereits im X. Jahrhundert begannen. 11 37

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