Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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Die Responsen der verschiedenen Epochen und Länder sind zwar von einem und demselben Geiste getragen und verfolgen denselben Zweck: die Belehrung nach dem Religionsgesetz, haben aber ihr eigentümliches Gepräge je nach Zeit und Ort. Wie die gaonäischen Responsen sich von den rabbinischen in Sprache, Stil, Darlegung und Inhalt unterscheiden, so differieren die Responsen der Rabbinen untereinander je nach der Zeitperiode und noch mehr je nach der Schule, der der Autor angehört. Die lichtvollsten sind die Responsen der spanischen Schule, da die hohe Kultur der spanischen Juden auch die rabbinischen Kreise erfaßte und auch die Repräsentanten der talmudischen Schule die profanen Wissenschaften pflegten, oder wenigstens sind diese ihnen nicht fremd geblieben. Diese Responsen tragen den Stempel der Wissenschaftlichkeit und der strengen Logik, zugleich sind sie reich an Mannigfaltigkeit . Die Fragen und Antworten beziehen sich nicht nur auf das rituelle und Rechtsgebiet, sondern auch auf das der Bibelexegese, des Sprachlichen und Etymologischen und der Religionsphilosophie, sowie der Mathematik, Chronologie und Geographie. Der Stil ist klar und durchsichtig und der Inhalt des Responsums für den mit dem Stoffe vertrauten Leser leicht faßbar. Diese Vorzüge finden sich bis zu einem gewissen Grade noch in den Responsen der Rabbinen der französisch-deutschen Schule bis etwa zum XIII. Jahrhundert. Von nun ab verliert sich allmählich in denen der französischen und namentlich der deutschen Schule die Wissenschaftlichkeit und Mannigfaltigkeit und eine auf das rein Talmudische eingestellte Einseitigkeit greift immer mehr Platz. Den Inhalt bilden durchwegs Fragen ritueller und rechtlicher Natur, sowie Erklärungen schwieriger Stellen im Talmud und seinen Kommentaren sowie in den Schriften der nachtalmudischen älteren Lehrer. Der Stil wird immer schlechter und holpriger, die Darlegung unmethodischer und unklarer, die Abbreviaturen werden häufiger, die grammatischen Regeln werden immer weniger befolgt — das alles macht es schwer, den Gedankengang des Autors zu verfolgen. Im XV. Jahrhundert sind die letzten Spuren spanischen Einflusses in Deutschland verschwunden. Die Sprache der rabbinischen Responsen ist das Hebräisch-Talmudische , ein Gemisch von Hebräisch und Talmudisch ,16 wobei bis zum XIII. Jahrhundert das hebräische Element überwiegt, von da aber vom Talmudischen allmählich zurückgedrängt und überwuchert wird. Sie wird als „rabbinische" Sprache bezeichnet. Die Responsenliteratur, die noch in der Gegenwart gepflegt wird17 — und deren Pflege anhalten wird, solange es ein mit intensivem Talmudstudium verbundenes orthodox-religiöses Leben im Judentum geben wird — blickt also gegenwärtig auf ein Alter von dreizehn Jahrhunderten zurück. Die Zahl der veröffentlichten Responsen geht in die Hundert- 9 35