Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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in die Reihe der Länder (das sind nun: Deutschland, einschließlich Böhmen, Mähren und Österreich, Ungarn, Italien und die Türkei), wo große Rabbinen ihre Responsen schrieben. Und bald stand dort die Responsenliteratur in höchster Blüte, vertreten von vier hervorragenden Autoritäten.15 Um die Mitte des XVIII. Jahrhunderts entwickelt sich auch im damaligen Rußland ein solches Schrifttum, das sich allerdings auf den sogenannten Ansiedlungsrayon der Juden, hauptsächlich Nordwestrußland (das heutige Weißrußland, Litauen und den Wilnaer Rayon umfaßend) beschränkt. Nachdem in West- und Mitteleuropa die Responsenliteratur gegen Mitte des XIX. Jahrhunderts (in Italien und der Türkei—mit Ausnahme Palästinas—noch früher) so gut wie erloschen war, ging die Hegemonie auf diesem Gebiet an die russischen großen Rabbiner über, wobei in den ersten Jahrzehnten dieser Periode noch Polen und Ungarn (Preßburg) hervorragende Größen aufweisen. Die Autoren der rabbinischen Responsen werden eingeteilt in „Rischonim" (die Früheren) und „Achronim" (die Späteren). Unter den Früheren sind jene Autoritäten zu verstehen, die vor Mitte des XIV. Jahrhunderts, oder wie es in den rabbinischen Responsen heißt: „vor den Verfolgungen" gelebt haben, wobei unter den Verfolgungen („Geserot") allgemein die grausamen Judenverfolgungen wegen des „schwarzen Todes" in Deutschland gemeint sind. Während dieser furchtbaren Zeit gingen im eigentlichen Deutschland das Talmudstudium und die rabbinische Wissenschaft bedeutend zurück (das Zentrum talmudischer Gelehrsamkeit verschob sich dann nach Österreich). Als das deutsche Judentum sich nach dem Schrecken des schwarzen Todes erholt hatte und das Talmudstudium bei ihm wieder in Schwung kam, waren die von nun auftretenden Gelehrten nicht mehr als denen ebenbürtig betrachtet, die „vor den Verfolgungen" gelebt haben (s. u. Jakob Weil, Rp. Nr. 146 über den Verfasser des „Aguda"-Buches, der „vor den Geserot" gelebt hat; er, der 1349 den Märtyrertod gestorben ist, zählt auch zu den letzten der „Rischonim". S. a. Rpp. d. Maharil Nr. 71). Sie wurden diesen nachgeordnet, und die Großen unter ihnen bilden den Anfang der über die weiteren Jahrhunderte sich erstreckenden Reihe der „Achronim", der späteren maßgebenden Rabbinen. Wie die Geonim den ihnen nachfolgenden „Rischonim" als Autorität galten, auf deren Responsen sie ihre Urteile gründeten, so waren diese ihrerseits maßgebende Autorität für die „Achronim". Die hervorragendsten unter diesen sind die Respondenten des XV. Jahrhunderts sowie des letzten Viertels des XIV., und viele der Vorschriften des Gesetzeskodex „Schulchan Aruch" des R. Josef Karo (zuerst erschienen 1564/65), namentlich in den Zusätzen des R. Mose Isserls, genannt „Remo", basieren auf den Responsen Jakob Möllns, Jakob Weils und Isserleins ebenso wie auf denen der „Rischonim". 34 8