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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 33

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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IRI
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Anschuldigung in einer Stadt sämtliche jüdische Gemeinden des Landes in Gefahr schweben, so ist das ganze Land in dieser Beziehung als eine Stadt anzusehen, in der alle Juden des Landes wohnen. Nachdem er diese Prämisse aufgestellt hat, folgert er seine Entscheidung aus der klaren Norm der Mischna5: „Es können die Einwohner einer Stadt einander zwingen, eine Mauer mit Tor und Riegeln um die Stadt zu ziehen" (zum Schutz vor dem etwa einfallendem Feinde). Hier sind die falsche Anschuldigungen erhebenden Widersacher der Juden mit dem feindlichen Heere, die zur Abwehr dienenden Geldmittel mit der Schutzmauer verglichen . Die Responsen blicken auf ein sehr hohes Alter zurück. Bereits im Talmud finden sich Ansätze von Responsen in Form von Antworten der palästinensischen Jeschibahäupter auf Anfragen ihrer Kollegen in Babylonien .6 Doch sind diese Bescheide sehr kurz gefaßt und bilden keinen besonderen Teil des Talmud, sondern sind in den allgemeinen Lehrstoff eingestreut. Responsen in speziellen Schreiben mehr oder weniger größeren Inhalts beginnen erst in der sogenannten gaonäischen Epoche (VII. bis Mitte des XI. Jahrhunderts). Diese Responsen, bekannt unter dem Sammelnamen „Responsen der Geonim" und in verschiedenen Werken niedergelegt, bilden den eigentlichen Anfang der Responsenliteratur und zugleich ihren eigenartigsten, mannigfaltigsten und wichtigsten Bestandteil. Die in der bezeichneten Epoche lebenden Häupter der Talmudakademien in Sura und Pumbedita in Babylonien, genannt „Geonim",7 waren die geistigen Erben der Talmudlehrer8 und erteilten ihre Bescheide nach allen Ländern, aus denen Anfragen in rituellen und rechtlichen Angelegenheiten an sie kamen ,und das waren nicht nur die nahegelegenen: Palästina, Ägypten und Nordafrika, sondern auch die Länder Europas, die fernen: Spanien und Italien, und die noch ferneren: Frankreich und Deutschland. Die genannten Akademien, in denen das große und kleine Richterkollegium nach Muster des Synhedrions zur Zeit des zweiten Tempels tagten, waren der religiöse Brennpunkt des gesamten Judentums zu jener Zeit, von dort ging die Lehre aus für die ganze Diaspora. Dies geschah durch die Responsen, die von den Häuptern dieser Akademien oder in ihrem Namen erteilt wurden, durch welche das gesamte religiöse Leben der Juden, einschließlich Rechtswesen und Gebetordnung,9 organisiert und konsolidiert wurde.Da es zu jener Zeit noch keine Kommentare zum Talmud gab, in vielen Gemeinden die Exemplare des Talmud überhaupt fehlten, geschweige denn die während dieser Epoche von manchen babylonischen Akademielehrern verfaßten Gesetzbücher,10 so war die Zahl der Anfragen, die an die genannten Akademien ergingen, ungeheuer groß und mannigfaltig. Sie bezogen sich auf Erklärungen von Talmud- 5 31

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