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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 31

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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IRI
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Vorschrift vorfanden. War dies aber nicht der Fall und mußte eine Entscheidung auf dem oben dargelegten Wege herbeigeführt werden, so besaßen die meisten Rabbiner weder die Kenntnisse noch die Fähigkeit, noch den Mut dazu. Sie sandten daher die betreffende Anfrage (rbxv) an eine in ihrem Zeitalter anerkannte talmudische Autorität, an einen der großen Rabbiner oder Jeschibahäupter. Diese behandelten dann den Fall nach allen Regeln ihrer Wissenschaft und trafen die Entscheidung, bei besonders schweren und wichtigen Fällen gewöhnlich nach Briefwechsel mit anderen zeitgenössischen Autoritäten. In manchen Fällen wandten sich Laien unter Umgehung des Ortsrabbiners direkt an eine solche Autorität, ganze Parteien und auch Gemeinden wandten sich an sie. Das die Entscheidung enthaltende Antwortschreiben des angefragten Gelehrten wird Responsum2 (roit^n) genannt. Da die Antwort den umfangreicheren und für die Lehre wichtigeren Teil der Korrespondenz bildet, so wird die ganze betreffende Literatur als Besponsenliteratur bezeichnet. Für die geschichtliche Verwertung dieser Korrespondenzen ist allerdings die Anfrage ebenso wichtig wie die Antwort, ja zuweilen noch wichtiger. Diese Responsen gleichen in gewisser Beziehung den responsa prudentium des römischen Rechts. Denn wie die letzteren das römische Recht fortbildeten, so bewirkten die ersteren die Weiterentwicklung des talmudischen Rechts. Im rabbinischen Responsum geht der Entscheidung eine ausführliche Motivierung voran, die zeigt, aus welchen logischen Schlüssen und auf Grund welcher Deduktion aus dem Talmud oder sonstigen älteren Autoritäten der Autor zu seinem Spruche gelangt ist, so daß jeder Sachverständige an der Entscheidung Kritik üben konnte. Nicht selten geschieht es auch, daß die Motivierung einer Entscheidung von einem anderen Gelehrten angefochten und die Entscheidung umgestoßen wird. Es entsteht dann gewöhnlich eine Korrespondenz zwischen beiden Gelehrten, oder wenn noch andere hinzugezogen werden, zwischen mehreren Gelehrten, und die endgültige Entscheidung wird als Resultat eines lebhaften Meinungsaustausches gewonnen. In den Motivierungen offenbart sich uns der bewunderungswürdige Tiefsinn, die wie ein lebendiger Quell sprudelnde Dialektik, die überraschenden Einfälle, die erstaunliche Belesenheit und Kombinationsfähigkeit der Autoren. Wir sehen darin, mit welchem Geschick und Feinheit sie ihre Entscheidungen, die grundlegend für die neuen Normen wurden, aus dem Talmud und nachtalmudischen älteren Quellen herleiten und mit welchem Scharfsinn sie etwa gegensätzlichen Meinungen der älteren Autoritäten durch Interpretation den Widerspruch nehmen. Freilich geschieht es auch, daß ein solcher Virtuose der dialektischen Kunst mit seiner Dialektik durchgeht und den Boden der Tatsachen und 3 29

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