Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644311--3399-2647747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
austreibung aus Österreich, die in den Augen vieler Zeitgenossen eine Strafe für die Waffenlieferungen an die Hussiten war, verwendet nicht einmal das Wort „Hussiten", trotzdem sie dies und nicht die in dem offiziellen Urteil Albrechts V. als Begründung angeführte Hostienschändung für die Ursache des Unglücks hält, das über die Juden gekommen ist. Diese Quelle gebraucht eine unbestimmte Umschreibung für die Ursache der Ausweisung: „Es war ein molt, da kam ein Milchamah (Krieg) auf den Dukas (Herzog), da trachtet er, wie die Juden heten geschikt Kle Sajin (Waffen) seinen feint zu der Milchamah (Krieg)."85 Das zweite zeitgenössische jüdische Zeugnis, das wir besitzen, ist das Sendschreiben von 1421 des Rabbi Jakob Loew Moein, genannt Maharil, der in Prag geboren wurde und in Mainz wirkte. Es ist an alle jüdischen Gemeinden in Deutschland gerichtet und ordnet ein dreitägiges Fasten zur Abwendung der Judenverfolgungen des gegen die Hussiten ziehenden Kreuzheeres an. Trotzdem schon in einigen Orten Judenverfolgungen stattgefunden hatten, stellt sich Maharil nicht offen auf die Seite derjenigen, gegen die die Kreuzheere zogen, und die doch eigentlich die natürlichen Verbündeten der Juden gewesen wären. Aber er vermerkt doch, daß es auf einem Berg Tabor Hussiten gibt, „die nicht an Jesus glauben, und die hatten auch keine Heiligenbilder, keine Kreuze und keine Priester".86 Die im XVI. Jahrhundert von Rabbi Joseph ha Kohen abgefaßte jüdische Chronik,87 die auch von den Judenverfolgungen der Kreuzheere berichtet, enthält trotzdem keinerlei Anzeichen von einer Sympathie des Verfassers mit den Hussiten. Dagegen besitzen wir eine zeitgenössische Nachricht aus dem Jahre 144988, die die Ereignisse in Böhmen ausführlich und mit freudiger Genugtuung erzählt. Der jüdische Autor glaubt nämlich nichts weniger, als daß die Hussiten Juden geworden sind; und darum erzählt er mit großer innerer Anteilnahme ihr Schicksal: „Hus lehrte sie (die Einwohner der Stadt Prag) den wahren Glauben der Einheit Gottes. Nun zerstörten sie alle Kirchen, und sie verbrannten ihre Bilder im Feuer. Der größte Teil der Bewohner der Provinz strömte ihnen zu, und sie beschlossen, den christlichen Glauben aufzugeben." Der Bericht kommt nun zu Hus' Reise nach Konstanz und zu dem Bruch des Geleitbriefes, „und schließlich verspotteten sie ihn und verbrannten ihn und alle seine Bücher mit ihm, die ein großer Haufen waren". Im Folgenden liegt dem Bericht die Verbrennung des Hieronymus von Prag zu Grunde. Sein Name wird aber nicht erwähnt. Dagegen läßt der Autor, offenbar veranlaßt durch die starke Wirkung des Ereignisses, mehrere Hussiten in Konstanz den Feuertod sterben. Da „sagten alle (Söhne des Staates Pihem)89, daß sie sterben werden oder daß sie das Blut ihrer Brüder rächen werden, das vergossen wurde, weil er (Hus) nicht Lüge, sondern Wahrheit gesprochen 19 19