Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Judentums nähern. Das „Gesetz Gottes" war in dem endzeitlich gestimmten Tabor zum herrschenden Gesetz geworden. Eine zeitgenössische katholische Quelle stellt ein Streitgespräch zwischen einem Katholiken, einem Unentschiedenen und einem Taboriten dar. Darin definiert der Taborit das Gesetz Gottes als das, „was Moses vorgeschrieben hat und die anderen heiligen Propheten6'.75 Zur Rechtfertigung des Religionskrieges können sich die Taboriten wohl auf die Makkabäer,76 aber nicht auf das Neue Testament berufen. Infolgedessen legen sie auch Gewicht darauf, daß „die Bücher der Makkabäer dem Volk erklärt werden".77 Sogar zur Verteidigung ihrer Plünderungen beriefen sich die Taboriten auf das Alte Testament, nämlich darauf, daß die Juden aus Ägypten große Schätze mitgenommen haben!78 Auch ihre Bilderfeindlichkeit bewirkt eine Annäherung an die jüdische Religionsauffassung. Während die „Prager", während z. B. auch Hus gewisse Übertreibungen der Heiligen Verehrung und des Wunderglaubens abgelehnt hatte, befolgen die Taboriten das Gebot „du sollst Dir kein Bildnis machen" wörtlich.79 Am bedeutsamsten aber ist es, daß Bruder Tabor in dem Streitgespräch dahin zusammenfaßt: „Glaube an einen Gott, das ist das Wichtigste."80 Nach all dem ist es nicht erstaunlich, daß die Taboriten ernstlich geglaubt haben, die Juden würden sich zu ihrer Religion bekehren; denn daß das nicht der Fall war, hält der Unentschiedene im Streitgespräch dem Taboriten triumphierend vor: „Wo erstreckt sich denn eure Macht auf die Juden und auf die Heiden, die doch offensichtlich dem Glauben und dem Gesetz widerstreben? Kein Jude trinkt aus dem Kelch, das weiß jeder von euch gut."81 Trotzdem sagten die Katholiken nicht nur den Hussiten eine judenfreundliche, sondern auch den Juden eine hussitenfreundliche Haltung nach. Dies ist aber vielleicht auch durch das Bestreben veranlaßt, die Einen mit der Bundesgenossenschaft der Anderen zu belasten. Mit der Hussitenfreundschaft wurde die Judenaustreibung aus Bayern82 (1422) und aus Jglau83 (1426) begründet. Auch die große Judenverfolgung in Österreich (1421) wird zwar nicht vom Herzog selbst, wohl aber von zeitgenössischen mit der „Konfoederation der Juden und Hussiten" in Verbindung gebracht. Was sagen nun die jüdischen Quellen über das Verhältnis der Juden zu den Hussiten? Einen objektiven Bericht dürfen wir auch hier nicht erwarten. Vielfach mußten die jüdischen Chronisten aus Gründen der Vorsicht zurückhaltend sein, damit nicht ein jüdischer Renegat oder ein des Hebräischen kundiger Christ infolge einer entschiedenen Stellungnahme der Juden für die „Ketzer" Unheil über sie bringen könnte.84 Die in jüdisch-deutscher Sprache geschriebene „Wiener Geserah von 1421", der Bericht über die schreckliche Judenverfolgung und Juden- 18 18