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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 18

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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enthaupten lassen, Johann von Seelau war der Führer der radikalen Volksmassen, wie sie besonders in der Prager Neustadt vertreten waren .M Diese nahmen den Tod ihres Führers nicht ruhig hin, sondern erregten einen solchen Aufruhr, „daß Prag an diesem Tage größeren Schaden erlitt, als von König Sigmund und seinen 100.000 Mann, da sie vor der Stadt lagen".59 Der Chronist schildert den Hergang des Aufruhrs: „Als die Neustädter sehen, daß sie keinen Widerstand finden, springen sie auf den Ring und plündern das Rathaus und finden dort den Getöteten. Und da rufen sie mit großer und schrecklicher Stimme nach den Mördern. Und sie haben auch die Altstädter Konsuln gefunden und haben ihnen die Häuser zerstört und haben alles tüchtig genommen, auch zum zweiten Male. Und die Konsuln, die sie fanden, haben sie entweder verhaftet oder erschlagen... Dann wenden sie sich gegen die Juden und rauben und nehmen ihnen alles. Und als da nichts mehr war, was sie nehmen konnten, gehen sie zu allen Kollegien und besetzen sie, und die Bücher der Magister und der anderen gelehrten Leute und die allgemeinen Bücher aus den Bibliotheken, alle die nahmen sie und zerrissen und verbrannten sie."60 Es besteht vielfach die Ansicht, daß zwischen der Empörung über die Hinrichtung von Johann von Seelau und der Beraubung der Juden „keinerlei ursächlicher Zusammenhang" besteht, sondern daß die in Empörung geratenen Volksmassen in blinder Wut gehandelt hätten. Gegen diese Auffassung sprechen schon die geschilderten wirtschaftlichen Verhältnisse, die es wahrscheinlich machen, daß es unter dem Neustädter61 Volk nicht wenige gab, die Schuldner der Altstädter Juden waren; denn in der Neustadt gab es im XV. Jahrhundert keine Juden. Darüber hinaus aber scheint es, als ob dieser Aufruhr gleichsam die Grundsätze einer gewissen besonders radikalen taboritischen Gruppe verwirklichen wollte. Am Anfang „stand ein armer Junge (chudy pacholek) auf... und schrie mit lauter Stimme: ,Ich bin arm! Das bin ich! Das bin ich!6 (Sem chudino! sem sem!) so daß viele zu ihm hin liefen'6.62 Das ist nicht mehr der Ruf nach der freiwilligen Armut (paupertas voluntaria), wie wir ihn von Franz von Assisi kennen, das ist der Ruf eines, der wirklich arm ist, der seine Armut absichtlich betont, und dem die anderen Armen, die sich aufgerufen fühlen, folgen. Sie berauben alle, die nicht arm sind, also auch die Juden, soweit sie wohlhabend waren. Sie erschlagen und verhaften einige Konsuln, und sie verbrennen alle Bücher, deren sie habhaft werden können. Gerade dies weist deutlich darauf hin, daß nicht Eigennutz der Hauptantrieb des Aufruhrs war, wenn dieser sicher auch eine nicht unwichtige Rolle spielte. (Die Feindschaft gegen das geschriebene und den alleinigen Glauben an das der eigenen Gegenwart geoffenbarte Wort Gottes 15 15

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