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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 12

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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IRI
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Gottlosigkeit der Kirche der Heiligen ganz offenbar. Wenn er nicht Christ wäre, würde er auch keine Autorität besitzen. Diese ist aber das mächtigste Mittel, um die Einfältigen zu besiegen.30 Der bedeutendste Theologe nach Hus' Tod war Jacobellus von Mies. Jacobeil hat einen Antichristtraktat geschrieben, der nichts weiter ist als ein Auszug aus Matthias* Werken .31 Der Satz, daß der Antichrist kein Heide oder Jude oder Sarazene sein kann und alle diesbezüglichen Erörterungen des Matthias finden sich demgemäß auch bei Jacobell. Das Abschreiben eines Autors — natürlich ohne Quellenangabe — ist im Mittelalter keine literarische Reminiscenz, sondern es bedeutet, daß der Abschreibende sich mit dem Inhalt seiner Vorlage identifiziert. Sicher hat Jacobell diese Gedanken auch mündlich in seinen Predigten verbreitet; denn sie sind in dem religiös erregten Böhmen allgemein bekannt gewesen. Das zweite Dokument, das Matthias'Erörterungen vollständig abschreibt, ist die unter dem Namen von Hus im Jahre 1521 gedruckte und 100 Jahre früher in taboritischen Kreisen entstandene „Anatomie des Antichrist".32 Für unser Thema, für die Frage nach der Einstellung der Hussiten zum Judentum gelten dieselben Entwicklungslinien, wie sie für die hussitische Bewegung im allgemeinen festgestellt worden sind. Die Wirkung der „Vorläufer" erstreckt sich vor allem auf die von Hus angefachte Volksbewegung, während auf Hus selbst Wiclif den entscheidenden Einfluß ausübt. Den von zwei bedeutenden Vertretern des Hussitentums nach Hus' Tod zitierten Satz des Matthias von Janow sucht man bei Hus vergeblich. Dagegen verwendet Hus den von Paulus (Gal. 2, 14.) geprägten und von Wiclif vielfach benutzten Begriff des Judaismus33: „Die ungläubigen Christen — das sind die, die wie die Juden von Christus Wunder verlangen, um zu glauben — sind dem jüdischen Glauben zugetan (,iudaizant6)."34 Hus wendet sich sogar gegen den Satz von Matthias oder eigentlich gegen die Folgerungen, die man offenbar aus ihm gezogen hat: „Aber jetzt behaupten manche, daß die Heiden und Juden keine Häretiker sind, sondern nur die Christen, die nach Empfang der Taufe in Irrtum verfallen sind. Aber wer kann denn leugnen, daß jene Häretiker sind, nämlich die Heiden und Juden, wo sie doch ein falsches Dogma und damit einen der Heiligen Schrift entgegengesetzten Irrtum behaupten, indem sie die Trinität in Gott leugnen, und indem sie leugnen, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, und wo sie das noch hartnäckig festhalten und unseren Herrn Jesus Christus schmähen?"85 Hus polemisiert also gegen eine Richtung, die, offenbar von Matthias von Janow beeinflußt, noch über ihn hinausgegangen ist, indem sie die Juden nicht einmal als Häretiker bezeichnen will. Matthias hatte erwartet, daß der Antichrist 9 9

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